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Kurzantwort: Ein Lipödem ist eine symmetrische Vermehrung von Fettgewebe an Beinen und Armen, die fast nur Frauen betrifft und mit Druckschmerz und Schweregefühl einhergeht; Füße und Hände bleiben frei. Ein Lymphödem ist eine Flüssigkeitsansammlung im Gewebe, weil die Lymphe nicht abfließt; es beginnt oft einseitig und erfasst auch Füße und Zehen. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist das Stemmer-Zeichen: Beim Lymphödem lässt sich die Haut über der zweiten Zehe nicht als Falte abheben, beim Lipödem schon.
Beide Krankheiten machen die Beine dick, beide enden auf „-ödem“, und beide werden mit Kompression behandelt. Trotzdem sind es zwei verschiedene Diagnosen mit verschiedenen Ursachen. Beim Lipödem wächst Fett, beim Lymphödem staut sich Flüssigkeit.
Die Verwechslung hat Folgen. Wer ein Lipödem als „Übergewicht“ abtut, bekommt keine Behandlung. Wer ein Lymphödem nur mit Diät angeht, verschlimmert es. Dieser Artikel erklärt die Merkmale, die ein Arzt prüft, ersetzt aber keine Untersuchung.
Was ein Lipödem ist
Wikipedia definiert das Lipödem als „symmetrische Vermehrung des Fettgewebes an den Gliedmaßen mit Schmerzhaftigkeit und Schweregefühl“. Es tritt fast ausschließlich bei Frauen auf und beginnt typischerweise nach hormonellen Umbrüchen: nach der Pubertät, einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren.
Typisch sind Beine und Arme, die im Verhältnis zum Rumpf zu dick sind, auf beiden Seiten gleich. Füße und Hände bleiben schlank, sodass am Knöchel oft eine Stufe entsteht. Das Gewebe ist berührungs- und druckempfindlich, spannt und fühlt sich schwer an. Schon leichte Stöße hinterlassen blaue Flecken. Diäten und Sport verkleinern den Rumpf, die Beine bleiben.
Die Diagnose stellt der Arzt durch Ansehen und Abtasten; Geräte sind laut Wikipedia nicht nötig. Eine allgemein anerkannte Stadieneinteilung gibt es nicht mehr, die frühere Einteilung nach ICD-10 wurde in ICD-11 aufgegeben.
Was ein Lymphödem ist
Ein Lymphödem ist laut Wikipedia eine „sicht- und tastbare Flüssigkeitsansammlung im Interstitium“, also im Gewebe zwischen den Zellen. Ursache ist ein Lymphgefäßsystem, das die anfallende Flüssigkeit nicht mehr abtransportieren kann.
Die primäre Form ist selten und angeboren: Lymphgefäße oder Lymphknoten sind nicht oder nur unvollständig angelegt. Die Mehrheit der Fälle ist sekundär, also erworben: nach Krebsoperationen mit Entfernung von Lymphknoten, nach Bestrahlungen, Verletzungen, Operationsnarben, bei chronischer Venenschwäche oder nach Entzündungen der Lymphgefäße. Ein bekanntes Beispiel ist der geschwollene Arm nach einer Brustkrebs-Operation.
Das Lymphödem beginnt meist einseitig und schließt Fuß und Zehen ein. Im Frühstadium ist es weich, eine eingedrückte Delle bleibt kurz stehen, Hochlagern hilft. Später verhärtet das Gewebe. Wikipedia fasst es in einem Satz zusammen: „Einmal Lymphödem, immer Lymphödem.“ Verletzungen und einschnürende Kleidung an der betroffenen Seite sind deshalb dauerhaft zu vermeiden.
Das Stemmer-Zeichen und andere Unterscheidungsmerkmale
Der Arzt versucht, die Haut über der zweiten oder dritten Zehe als Falte anzuheben. Gelingt das nicht oder nur schwer, ist das Stemmer-Zeichen positiv, ein Hinweis auf ein Lymphödem. Dazu kommen laut Wikipedia verdickte, fast viereckige Zehen, sogenannte Kastenzehen. Beim Lipödem ist das Stemmer-Zeichen negativ, weil die Füße frei bleiben.
Weitere Hinweise: Das Lipödem ist symmetrisch und schmerzt bei Druck, das Lymphödem ist häufig einseitig und schmerzt zunächst nicht. Beim Lymphödem lässt sich in frühen Stadien eine Delle eindrücken, beim Lipödem nicht. Das Lipödem betrifft fast nur Frauen, das Lymphödem beide Geschlechter.
Stadien beider Erkrankungen
Für das Lymphödem gilt eine Einteilung in vier Stadien. Stadium 0 ist das Latenzstadium ohne sichtbare Schwellung. In Stadium 1 ist das Ödem teigig-weich, die Delle bleibt stehen, Hochlagern schafft Abhilfe. In Stadium 2 ist das Gewebe hart und bindegewebig umgebaut, Hochlagern hilft nicht mehr. Stadium 3 wird als Elephantiasis bezeichnet: ausgedehnte Veränderungen, stark eingeschränkte Beweglichkeit, Hautprobleme.
Für das Lipödem existiert laut Wikipedia keine allgemein anerkannte Stadieneinteilung. Maßgeblich ist die S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (AWMF-Register 037-012, Stand Januar 2024).
Behandlung: Kompression, Lymphdrainage, Liposuktion
Beim Lymphödem heißt die Standardbehandlung Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE). Sie besteht aus manueller Lymphdrainage, Kompression mit Bandagen oder Strümpfen, Bewegung in Kompression und Hautpflege. Entwässernde Tabletten allein reichen nicht, sie beeinträchtigen laut Wikipedia sogar den Lymphtransport. In Einzelfällen kann die Supermikrochirurgie Abflusswege wiederherstellen.
Beim Lipödem sind Kompressionsstrümpfe die erste Wahl, Lymphdrainage dient der Schmerzlinderung, dazu kommt Gewichtsmanagement. Die Liposuktion, also das Absaugen des krankhaften Fettgewebes, kommt nach mindestens sechs Monaten konservativer Behandlung in Frage. In Deutschland kann sie laut der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen erfolgen. Bedingungen: Bei einem BMI zwischen 32 und 35 muss das Verhältnis von Taille zu Körpergröße im Normalbereich liegen, bei einem BMI über 35 ist eine begleitende Adipositas-Behandlung nötig.
Unterschied zwischen Lipödem und Lymphödem in der Tabelle
| Merkmal | Lipödem | Lymphödem |
|---|---|---|
| Was sich ansammelt | Fettgewebe | Lymphflüssigkeit |
| Verteilung | symmetrisch, beide Beine oder Arme | oft einseitig |
| Füße und Hände | frei | mitbetroffen, Zehen geschwollen |
| Stemmer-Zeichen | negativ | positiv |
| Schmerz | Druck- und Berührungsschmerz, Schweregefühl | anfangs meist schmerzlos |
| Delle bei Druck | nein | ja, in frühen Stadien |
| Betroffene | fast nur Frauen | Frauen und Männer |
| Typische Ursache | hormonelle Umbrüche, Ursache unklar | Krebs-OP, Bestrahlung, Verletzung, angeboren |
| Behandlung | Kompression, Lymphdrainage, Liposuktion | Komplexe Physikalische Entstauungstherapie |
Häufige Fragen
Kann ich den Unterschied selbst feststellen?
Hinweise ja, die Diagnose nein. Symmetrische, schmerzhafte Beine mit schlanken Füßen sprechen für ein Lipödem, ein einseitig geschwollenes Bein mit dicken Zehen für ein Lymphödem. Die Abklärung gehört zum Arzt, etwa einem Phlebologen oder Lymphologen.
Ist ein Lipödem einfach Übergewicht?
Nein. Das Lipödem ist eine eigene Erkrankung mit schmerzhaftem Gewebe, die durch Abnehmen nicht verschwindet. Übergewicht kann zusätzlich vorliegen.
Zahlt die Krankenkasse die Fettabsaugung?
Unter Bedingungen ja. Die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses verlangt eine vorherige konservative Behandlung und knüpft die Leistung an den BMI.
Warum bekommen Krebspatienten ein Lymphödem?
Weil bei der Operation Lymphknoten entfernt oder durch Bestrahlung geschädigt werden. Die Lymphe findet dann keinen Abfluss mehr.
Helfen Wassertabletten?
Beim Lymphödem nicht als alleinige Behandlung. Laut Wikipedia beeinträchtigen Diuretika den Lymphtransport.
Heilt ein Lymphödem aus?
In der Regel nicht. Mit Entstauungstherapie lässt es sich dauerhaft kontrollieren, verschwindet aber nicht.
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