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Kurzantwort: Quetiapin ist ein verschreibungspflichtiges Medikament aus der Gruppe der atypischen Antipsychotika. Es ist zugelassen zur Behandlung der Schizophrenie sowie manischer und depressiver Episoden bei bipolaren Störungen und als Zusatz bei Depressionen. Bekannt wurde es unter dem Handelsnamen Seroquel des Herstellers AstraZeneca. Häufig wird es außerhalb der Zulassung in niedriger Dosis als Schlafmittel verordnet, wovon das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte 2016 abgeraten hat.
Quetiapin steht auf vielen Medikationsplänen, oft mit kleinen Dosen von 25 Milligramm zur Nacht. Dabei ist der Wirkstoff für schwere psychische Erkrankungen entwickelt worden. Wer ihn verordnet bekommt, will wissen, was er im Körper tut, was ihn von einer Schlaftablette unterscheidet und welche Nebenwirkungen bekannt sind.
Hier liest du, was Quetiapin ist, wofür es zugelassen ist, wie es wirkt, welche Nebenwirkungen auftreten, warum der Einsatz als Schlafmittel umstritten ist und was für Schwangerschaft, Stillzeit und das Absetzen gilt. Dieser Text ersetzt kein Gespräch mit Arztpraxis oder Apotheke.
Die Definition
Quetiapin ist laut Wikipedia ein atypisches Antipsychotikum aus der Klasse der Dibenzothiazepine. Chemisch ähnelt es Clozapin, Olanzapin und Zotepin. Weil der Reinstoff schlecht wasserlöslich ist, wird in Tabletten das Salz Quetiapinfumarat verwendet. Im Klassifikationssystem der WHO trägt es den Code N05AH04.
Entwickelt wurde der Wirkstoff laut der englischen Wikipedia 1985; die erste Zulassung erteilte die US-Behörde FDA 1997 für die Schizophrenie. Das Originalpräparat Seroquel von AstraZeneca zählte mit über 150 Millionen Dollar Umsatz zu den Blockbustern. Nach Ablauf des Patents kamen Generika auf den Markt, die den Wirkstoffnamen tragen.
Wofür Quetiapin zugelassen ist
| Anwendungsgebiet | Zulassung |
|---|---|
| Schizophrenie | Erstzulassung USA 1997 |
| Manische Episoden bei bipolarer Störung | Zugelassen |
| Depressive Episoden bei bipolarer Störung | USA 2006, deutschsprachiger Raum November 2008 |
| Rückfallvorbeugung bei bipolarer Störung | Laut Hersteller; die S3-Leitlinie empfiehlt Monotherapie nur, wenn Quetiapin in einer Episode wirksam und verträglich war |
| Zusatz bei Depression, wenn ein Antidepressivum nicht ausreicht | Retardform, Oktober 2010 |
Es gibt zwei Darreichungsformen. Filmtabletten setzen den Wirkstoff sofort frei und gibt es in Stärken von 25 bis 300 Milligramm. Retardtabletten mit verzögerter Freisetzung, in Deutschland als Seroquel Prolong und Generika, gibt es von 50 bis 400 Milligramm. Welche Dosis passt, hängt vom Anwendungsgebiet ab und legt die Arztpraxis fest.
Wie Quetiapin wirkt
Quetiapin blockiert laut Wikipedia mehrere Rezeptoren im Gehirn, vor allem Serotonin-5-HT2– und Dopamin-D2-Rezeptoren. Die Blockade der D2-Rezeptoren gilt als Grundlage der antipsychotischen Wirkung. Die Bindung ist locker und wird leicht von körpereigenem Dopamin gelöst. Deshalb hat Quetiapin laut Wikipedia nach Clozapin das zweitniedrigste Potenzial aller Atypika für Bewegungsstörungen, wie sie bei älteren Antipsychotika häufig sind.
In der Leber entsteht über das Enzym CYP3A4 der aktive Abbaustoff Norquetiapin. Er hemmt die Wiederaufnahme von Noradrenalin und wirkt an 5-HT1A-Rezeptoren, was die antidepressive Wirkung erklärt. Quetiapin selbst hat eine Halbwertszeit von rund sieben Stunden, Norquetiapin von etwa zwölf Stunden.
Schon niedrige Dosen blockieren außerdem Histamin-H1-Rezeptoren. Das macht müde. Genau diese Nebenwirkung ist der Grund, warum Quetiapin als Schlafmittel verordnet wird.
Stoffe, die CYP3A4 hemmen, verlangsamen den Abbau zum Teil deutlich. Wikipedia nennt Ciprofloxacin, Erythromycin, Ketoconazol, Cimetidin und Grapefruitsaft.
Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen sind laut Wikipedia Benommenheit, Schwindel, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen und Gewichtszunahme, vor allem in der ersten Behandlungswoche. Häufig beobachtet wurden außerdem:
- Blutdruckabfall beim Aufstehen, erhöhter Puls, Wassereinlagerungen
- Verstopfung, Verdauungsstörungen, Mundtrockenheit
- eine vorübergehende Verringerung der weißen Blutkörperchen
- erhöhte Leberwerte
Gelegentlich tritt ein Restless-Legs-Syndrom auf, selten ein malignes neuroleptisches Syndrom, sehr selten eine Leberentzündung oder schwere Hautreaktionen. Der Ausschuss für Risikobewertung der EU-Arzneimittelagentur hält nach Auswertung von Spontanberichten ein Serotoninsyndrom für plausibel, wenn Quetiapin mit anderen serotonerg wirkenden Mitteln kombiniert wird. Embryotox nennt zudem Gewichtszunahme bis hin zum metabolischen Syndrom.
Quetiapin als Schlafmittel: der Off-Label-Streit
Eine Auswertung der Verordnungen in Norwegen von 2004 bis 2017 ergab laut Wikipedia, dass nur 4 Prozent der verordneten Tagesdosen zu einer zugelassenen Anwendung passten. Meist wurde deutlich niedriger dosiert, also als Beruhigungs- oder Schlafmittel.
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte riet 2016 in einem Leitfaden für Ärzte von dieser Anwendung ab. Bemängelt wurden Verordnungen bei Schlaf-, Ess- und Persönlichkeitsstörungen sowie bei Substanzmissbrauch: Für diese Einsatzgebiete gebe es keine Wirksamkeitsbelege und Hinweise auf ein ungünstiges Verhältnis von Nutzen und Risiko. Der Arzneimittelbrief titelte 2020 „Quetiapin ist kein Schlafmittel“. AstraZeneca zahlte 2010 in den USA 520 Millionen Dollar, um ein Verfahren wegen unzulässiger Vermarktung von Seroquel beizulegen.
Schwangerschaft, Stillzeit und Absetzen
Das Beratungszentrum Embryotox der Charité hat über 4.500 Schwangerschaften unter Quetiapin ausgewertet und kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko im ersten Drittel gefunden. Dokumentiert sind aber vermehrt Stoffwechselstörungen mit starker Gewichtszunahme und Schwangerschaftsdiabetes; Neugeborene können Anpassungsstörungen zeigen. Embryotox stuft die Anwendung in der Schwangerschaft als zulässig ein. Für die Stillzeit liegen Erfahrungen mit etwa zwölf Mutter-Kind-Paaren vor, mit guter Verträglichkeit; Stillen unter Monotherapie und Überwachung des Kindes gilt als akzeptabel.
Beim Verringern oder Absetzen kann laut Wikipedia ein Rebound auftreten, weil Quetiapin schnell von den D2-Rezeptoren abdissoziiert. Das Absetzen gehört deshalb in ärztliche Hand und erfolgt schrittweise.
Häufige Fragen
Ist Quetiapin ein Antidepressivum?
Nein, es ist ein Antipsychotikum. Sein Abbaustoff Norquetiapin wirkt antidepressiv, deshalb ist die Retardform als Zusatz bei Depressionen zugelassen.
Ist Quetiapin ein Schlafmittel?
Nein. Die Müdigkeit ist eine Nebenwirkung. Das BfArM riet 2016 von der Verordnung bei Schlafstörungen ab, weil Wirksamkeitsbelege fehlen.
Wie lange bleibt Quetiapin im Körper?
Die Halbwertszeit liegt bei rund sieben Stunden, die des Abbaustoffs Norquetiapin bei etwa zwölf. An den Rezeptoren bleibt Quetiapin laut einer PET-Untersuchung bis zu zwölf Stunden gebunden.
Was passiert beim Absetzen?
Es kann ein Rebound auftreten, weil sich Quetiapin schnell von den D2-Rezeptoren löst. Deshalb wird unter ärztlicher Begleitung schrittweise reduziert.
Darf man mit Quetiapin Grapefruitsaft trinken?
Grapefruitsaft hemmt CYP3A4 und kann den Abbau deutlich verlangsamen. Die Fachinformation und die Arztpraxis geben dazu Auskunft.
Was ist der Unterschied zwischen Seroquel und Quetiapin?
Seroquel ist der Handelsname des Originalpräparats von AstraZeneca. Quetiapin ist der Wirkstoff, den auch die Generika enthalten.
Quellen
Das passt dazu
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Geschrieben von Jonas, Redaktion smarterklärt.de — er erklärt hier Begriffe und Zusammenhänge in einfacher Sprache.






