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Kurzantwort: Histamin ist ein körpereigener Botenstoff aus der Gruppe der biogenen Amine. Der Körper bildet es aus der Aminosäure Histidin und speichert es vor allem in Mastzellen. Es steuert Abwehrreaktionen, die Bildung von Magensäure und den Schlaf-Wach-Rhythmus. Bei einer Allergie wird es massenhaft freigesetzt und löst Juckreiz, Schwellung und laufende Nase aus. Histamin steckt auch in Lebensmitteln wie gereiftem Käse, Wein und Fischkonserven.
Wer eine Allergie hat, kennt Histamin als Gegner: Antihistaminika sollen es ausbremsen. Wer eine „Histaminunverträglichkeit“ vermutet, streicht Rotwein und Parmesan vom Speiseplan. Beides beruht auf derselben Substanz, die in jedem gesunden Körper ständig vorhanden ist und dort wichtige Aufgaben erfüllt.
Der Name leitet sich vom griechischen Wort für Gewebe ab, weil Histamin in fast allen Geweben des Körpers vorkommt.
Hier liest du, was Histamin chemisch ist, wo es im Körper vorkommt, was es bewirkt, wie es abgebaut wird, in welchen Lebensmitteln es steckt und was zur Histaminunverträglichkeit tatsächlich belegt ist.
Die Definition
Histamin ist ein biogenes Amin. Es entsteht, wenn von der Aminosäure Histidin eine Carboxylgruppe abgespalten wird. Das übernimmt das Enzym Histidindecarboxylase in einem einzigen Reaktionsschritt, der Vitamin B6 in Form von Pyridoxalphosphat als Helfer braucht.
Der Körper stellt Histamin laut Wikipedia in Mastzellen, in Zellen der Haut, der Magenschleimhaut und in Nervenzellen her und lagert es in kleinen Bläschen, den Vesikeln. Auch die basophilen Granulozyten, eine Gruppe weißer Blutkörperchen, enthalten es. Bei einem Reiz, etwa dem Kontakt mit einem Allergen, wird es aus den Speichern freigesetzt.
Was Histamin im Körper tut
Histamin wirkt als Gewebshormon und als Neurotransmitter. Es entfaltet seine Wirkung über vier Rezeptortypen, die in unterschiedlichen Geweben sitzen:
| Rezeptor | Wo er vor allem sitzt | Was Histamin dort auslöst |
|---|---|---|
| H1 | Blutgefäße, Bronchien, Haut, Nerven | Gefäßerweiterung, Juckreiz, Schwellung, Verengung der Bronchien |
| H2 | Magenschleimhaut | Bildung von Magensäure |
| H3 | Zentrales Nervensystem | Steuerung von Wachheit und Ausschüttung anderer Botenstoffe |
| H4 | Immunzellen | Anlocken von Abwehrzellen |
Im Gehirn gehört Histamin zu den Stoffen, die wach halten. Das erklärt, warum ältere Antihistaminika, die ins Gehirn gelangen, müde machen. Im Magen sorgt es dafür, dass die Belegzellen Säure ausschütten, sobald Nahrung ankommt.
Die typischen Allergiesymptome sind H1-Wirkungen: Die Gefäße weiten sich, Flüssigkeit tritt ins Gewebe, die Haut juckt und die Nase läuft. Antihistaminika, die man gegen Heuschnupfen kennt, blockieren diesen Rezeptor. Medikamente gegen Magensäure aus der Gruppe der H2-Blocker setzen am zweiten Rezeptor an.
Wie der Körper Histamin abbaut
Zwei Enzyme bauen Histamin ab. Im zentralen Nervensystem übernimmt das die Histamin-N-Methyltransferase, kurz HNMT. Außerhalb des Gehirns, vor allem im Darm, arbeitet die Diaminoxidase, kurz DAO. Zusammen mit Aldehydoxidasen macht sie aus Histamin die Imidazolylessigsäure, die der Körper ausscheidet.
Die DAO ist der Grund, warum Histamin aus dem Essen bei gesunden Menschen normalerweise keine Beschwerden macht: Sie zerlegt es bereits im Darm, bevor es ins Blut gelangt.
Histamin in Lebensmitteln
Histamin entsteht überall dort, wo Bakterien Eiweiß abbauen, also bei Reifung, Gärung und Verderb. Wikipedia nennt Fisch, Fleisch, Käse, Gemüse und Wein als histaminhaltige Lebensmittel. Der Gehalt steigt mit dem Reifegrad: Ein lange gereifter Hartkäse enthält mehr als ein junger, ein gereifter Rotwein mehr als ein junger Weißwein. Fermentierte Produkte wie Sauerkraut und Fischkonserven gelten ebenfalls als histaminreich.
Frische Lebensmittel enthalten dagegen wenig Histamin. Bei Fisch ist die Kühlkette entscheidend, weil Bakterien bei Wärme aus dem Histidin des Fischfleischs schnell große Mengen Histamin bilden.
Histaminunverträglichkeit: Was belegt ist
Viele Menschen berichten nach histaminreichem Essen über Bauchkrämpfe, Durchfall, Hautrötung, Kopfschmerz, Herzklopfen oder Schwindel. Diese Beschwerden werden unter dem Begriff Histaminunverträglichkeit oder Histaminintoleranz zusammengefasst. Die verbreitete Erklärung lautet, den Betroffenen fehle das Enzym DAO.
Belegt ist das nicht. Laut Wikipedia konnte weder ein eindeutiger Enzymmangel noch eine verminderte DAO-Aktivität bei Personen mit vermuteter Unverträglichkeit nachgewiesen werden. Die Verbraucherzentrale schreibt dasselbe und weist darauf hin, dass der Hersteller des DAO-Präparats DAOSiN seit einem rechtskräftigen Urteil vom 14. März 2024 nicht mehr damit werben darf, das Produkt unterstütze den Histaminabbau im Darm.
Die S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (AWMF-Register 061-030, Stand 2021) empfiehlt bei Verdacht einen zweiwöchigen Auslassversuch. Bessern sich die Beschwerden, folgt eine kontrollierte Provokation mit Histamin. Die Bestimmung der DAO im Blut gilt nach der Leitlinie als nicht aussagekräftig. Wer solche Beschwerden hat, sollte sie ärztlich abklären lassen, weil viele andere Ursachen ähnliche Symptome machen.
Die Entdeckung
Adolf Windaus und W. Vogt stellten Histamin 1907 erstmals im Labor her. 1910 wiesen Henry H. Dale und P. P. Laidlaw nach, dass es als körpereigene Substanz vorkommt. Seitdem ist es eines der am besten untersuchten Gewebshormone.
Häufige Fragen
Ist Histamin schädlich?
Nein. Es ist ein normaler Botenstoff, ohne den Immunabwehr, Verdauung und Schlafsteuerung nicht funktionieren. Beschwerden entstehen erst bei übermäßiger Freisetzung oder sehr hohen Mengen aus verdorbenem Essen.
Woraus wird Histamin gebildet?
Aus der Aminosäure Histidin, mit Hilfe des Enzyms Histidindecarboxylase.
Welche Lebensmittel enthalten viel Histamin?
Lange gereifter Käse, Rotwein, fermentierte Produkte und Fischkonserven. Je länger ein Lebensmittel reift oder gärt, desto mehr Histamin enthält es.
Kann ich eine Histaminunverträglichkeit mit einem Bluttest feststellen?
Die DGAKI-Leitlinie hält die DAO-Bestimmung im Blut für nicht aussagekräftig. Empfohlen werden ein zweiwöchiger Auslassversuch und danach eine Provokation unter Aufsicht.
Was machen Antihistaminika?
Sie blockieren den H1-Rezeptor. Histamin kann dann nicht mehr andocken, Juckreiz und Schwellung bleiben aus.
Wer hat Histamin entdeckt?
Windaus und Vogt stellten es 1907 her, Dale und Laidlaw wiesen es 1910 im Körper nach.
Quellen
- Wikipedia – Histamin
- Wikipedia – Histamin-Intoleranz
- Verbraucherzentrale – Nahrungsergänzung bei Histaminintoleranz
- AWMF – Leitlinie 061-030 Histaminunverträglichkeit
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