Was ist ADHS? Definition, Symptome und Zahlen einfach erklärt

Kurzantwort: ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Es ist eine neurobiologische Entwicklungsstörung, bei der Menschen auffällig unaufmerksam, impulsiv oder körperlich unruhig sind. Die Symptome beginnen vor dem zwölften Lebensjahr, halten mindestens sechs Monate an und zeigen sich in mehreren Lebensbereichen. In Deutschland erhalten laut gesundheitsinformation.de etwa 5 Prozent der Kinder die Diagnose.

Das Wort ADHS fällt schnell: beim Kind, das nicht stillsitzt, beim Kollegen, der Termine vergisst, in Videos, die Symptome aufzählen. Die Diagnose dahinter ist enger gefasst, als der Alltagsgebrauch vermuten lässt. Sie hat feste Kriterien, eine Altersgrenze und eine Mindestdauer.

Hier liest du, was ADHS genau bedeutet, welche drei Kernbereiche dazugehören, wie häufig die Diagnose ist, was über die Ursachen bekannt ist und wie sich ADHS bei Erwachsenen von ADHS bei Kindern unterscheidet. Grundlage sind das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (gesundheitsinformation.de), die Leitlinie der Fachgesellschaften und Wikipedia.

Die Definition

ADHS ist die Abkürzung für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Gesundheitsinformation.de beschreibt sie als psychische Erkrankung, von der man spricht, wenn ein Kind besonders unaufmerksam, impulsiv oder hyperaktiv ist. Wikipedia ordnet sie als neurobiologische Entwicklungsstörung ein.

Der Unterschied zu normaler Lebhaftigkeit liegt im Ausmaß und in den Folgen. Viele Kinder sind zappelig oder verträumt. Von ADHS spricht man erst, wenn die Auffälligkeiten deutlich stärker sind als bei Gleichaltrigen und das Leben in Schule, Familie oder Freundeskreis spürbar beeinträchtigen.

In den Diagnosesystemen hat ADHS feste Codes: In der ICD-10 steht sie unter F90 als hyperkinetische Störung, in der ICD-11 unter 6A05.

Die drei Kernbereiche

ADHS zeigt sich in drei Bereichen. Nicht jeder Betroffene hat alle drei gleich stark.

Unaufmerksamkeit

Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Leichte Ablenkbarkeit. Vergesslichkeit. Aufgaben werden angefangen und nicht beendet, Dinge verloren, Anweisungen überhört.

Impulsivität

Ungeduld. Andere unterbrechen, Antworten herausplatzen, handeln, bevor die Folgen bedacht sind.

Hyperaktivität

Innere und äußere Unruhe. Nicht sitzen bleiben können, ständig in Bewegung sein, viel reden.

Im Alltag sieht das so aus: Das Kind vergisst die Hausaufgaben, obwohl es sie aufgeschrieben hat. Es antwortet, bevor die Frage zu Ende ist. Es steht im Unterricht auf, ohne es zu merken. Jedes dieser Verhalten allein ist normal. Die Häufung über Monate und in mehreren Situationen macht den Unterschied.

Das Diagnosehandbuch DSM-5 unterscheidet daraus drei Erscheinungsbilder: vorwiegend unaufmerksam, vorwiegend hyperaktiv-impulsiv und kombiniert. Die frühere Bezeichnung ADS meint das vorwiegend unaufmerksame Bild ohne auffällige Hyperaktivität.

Die Diagnosekriterien

Laut Wikipedia müssen für eine Diagnose nach DSM-5 mehrere Bedingungen zusammenkommen:

  • Mindestens sechs von neun Symptomen aus dem Bereich Unaufmerksamkeit oder Hyperaktivität-Impulsivität bei Kindern; ab 17 Jahren reichen fünf.
  • Erste Symptome vor dem zwölften Lebensjahr.
  • Die Symptome bestehen seit mindestens sechs Monaten.
  • Sie zeigen sich in mindestens zwei Lebensbereichen, etwa zu Hause und in der Schule.
  • Sie beeinträchtigen den Alltag deutlich.

Eine Diagnose stellen Fachleute nach ausführlichen Gesprächen, körperlicher Untersuchung und psychologischen Tests. Bei Kindern fließen die Beobachtungen von Eltern und Lehrkräften ein. Einen Bluttest oder ein bildgebendes Verfahren, das ADHS nachweist, gibt es nicht.

Wie häufig ADHS ist

Gesundheitsinformation.de nennt für Deutschland etwa 5 Prozent der Kinder, die die Diagnose erhalten. Wikipedia gibt mit Verweis auf die KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts rund 4,4 Prozent an, weltweit etwa 5,3 Prozent der Kinder.

Jungen bekommen die Diagnose deutlich häufiger als Mädchen. Gesundheitsinformation.de spricht von etwa doppelt so oft, Wikipedia von vier- bis fünfmal so oft. Ein Teil dieses Unterschieds gilt als Diagnoseeffekt: Bei Mädchen überwiegt häufiger die unaufmerksame Form, die weniger auffällt und später erkannt wird.

Was über die Ursachen bekannt ist

ADHS ist zu einem großen Teil erblich. Wikipedia beziffert die Erblichkeit auf 70 bis 80 Prozent. Im Gehirn ist laut gesundheitsinformation.de der Transport des Botenstoffs Dopamin in Regionen verändert, die für Gedächtnis und Lernen zuständig sind.

Dazu kommen Einflüsse vor und um die Geburt. Gesundheitsinformation.de nennt Rauchen, Alkohol und Drogen in der Schwangerschaft, eine Präeklampsie und ein niedriges Geburtsgewicht als Risikofaktoren. Erziehungsstil, Zucker oder Bildschirmzeit verursachen kein ADHS, auch wenn das oft behauptet wird.

ADHS bei Erwachsenen

ADHS beginnt in der Kindheit, verschwindet aber nicht automatisch. Laut gesundheitsinformation.de haben 50 bis 80 Prozent der Erwachsenen, die als Kind ADHS hatten, zumindest teilweise noch Symptome. Etwa 15 Prozent erfüllen auch als Erwachsene die vollständigen Diagnosekriterien.

Das Bild verschiebt sich mit dem Alter. Die Hyperaktivität geht meist zurück. Im Vordergrund stehen dann Unaufmerksamkeit, innere Unruhe und Schwierigkeiten, Gefühle zu regulieren. Typische Probleme im Alltag: Aufgaben organisieren, Fristen einhalten, bei einer Sache bleiben, Frust aushalten.

Für eine Diagnose im Erwachsenenalter gilt: Die Symptome müssen schon in der Kindheit begonnen haben. Wer erst mit 30 zum ersten Mal unaufmerksam wird, hat etwas anderes.

Häufige Fragen

Ist ADHS eine Krankheit oder eine Eigenschaft?

Medizinisch ist ADHS eine Diagnose mit festen Kriterien. Viele Betroffene beschreiben sie zugleich als Teil ihrer Persönlichkeit mit Stärken und Schwächen. Beides schließt sich nicht aus.

Was ist der Unterschied zwischen ADS und ADHS?

ADS war die frühere Bezeichnung für die Form ohne auffällige Hyperaktivität. Heute heißt das ADHS vom vorwiegend unaufmerksamen Typ.

Kann ADHS erst im Erwachsenenalter entstehen?

Nein. Die Diagnosekriterien verlangen, dass die Symptome vor dem zwölften Lebensjahr begonnen haben. Erkannt wird ADHS aber oft erst später.

Wächst sich ADHS aus?

Nur zum Teil. 50 bis 80 Prozent behalten laut gesundheitsinformation.de zumindest einige Symptome, rund 15 Prozent die volle Diagnose.

Wer stellt die Diagnose?

Bei Kindern Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder Kinderärzte mit entsprechender Erfahrung, bei Erwachsenen Psychiater oder Psychotherapeuten.

Gibt es eine Leitlinie für ADHS?

Ja. Die S3-Leitlinie „ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen“ der Fachgesellschaften ist im AWMF-Register unter der Nummer 028-045 hinterlegt.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Jonas, Redaktion smarterklärt.de — er erklärt hier Begriffe und Zusammenhänge in einfacher Sprache.


Nach oben scrollen