Book Shelves at Center for Children and Library Foundation (CECLIF), Tororo

Unterschied zwischen Sinti und Roma: Herkunft, Sprache, Status

Aktualisiert am 17.10.2026 · Lesezeit 6 Min.

Titelbild: „Book Shelves at Center for Children and Library Foundation (CECLIF), Tororo“ von Micheal Kaluba · CC BY-SA 4.0 · via Wikimedia Commons · zugeschnitten

Kurzantwort: Roma ist der Oberbegriff für die Volksgruppen, die die Sprache Romanes teilen und deren Vorfahren vor über 1.000 Jahren aus dem Nordwesten Indiens auswanderten. Sinti sind eine Teilgruppe der Roma, die seit dem frühen 15. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum lebt und den Dialekt Sintitikes spricht. Alle Sinti gehören also zu den Roma, aber nur ein Teil der Roma sind Sinti. In Deutschland heißt die anerkannte nationale Minderheit deshalb „deutsche Sinti und Roma“.

Die Doppelbezeichnung liest du in Nachrichten, auf Gedenktafeln und im Namen des Zentralrats. Viele halten sie für zwei verschiedene Völker oder für zwei Wörter für dasselbe. Beides trifft es nicht ganz. Das Verhältnis ist das von Teil und Ganzem, mit einer eigenen Geschichte des Teils.

Um den Unterschied zu verstehen, hilft ein Blick auf drei Dinge: die gemeinsame Herkunft, die Sprache und die Zeit, seit der die jeweilige Gruppe in Deutschland lebt.

Wer die Roma sind

Roma ist laut Wikipedia die Eigenbezeichnung der Minderheit in ihrer Sprache Romanes; die Bundeszentrale für politische Bildung übersetzt den Singular „Rom“ mit „Mensch“. Sprachwissenschaftliche und genetische Untersuchungen zeigen, dass die Vorfahren der europäischen Roma aus Nordindien stammen. Die bpb datiert die Abwanderung auf „vor über 1000 Jahren“; spätestens seit dem 14. Jahrhundert leben Roma in Südosteuropa.

In Europa leben laut bpb knapp zwölf Millionen Sinti und Roma. Die größten Gruppen nennt Wikipedia für Rumänien mit 1,95 Millionen, Bulgarien mit 750.000, Spanien mit 700.000, Ungarn mit 600.000 und die Slowakei mit 500.000. Innerhalb der Roma gibt es viele Untergruppen, oft nach historischen Berufen benannt: Kalderasch waren Kupferschmiede, Lovara Pferdehändler. Dazu kommen sprachlich oder religiös geprägte Gruppen wie die muslimischen Xoraxane oder die Kale in Spanien.

Wer die Sinti sind

Sinti sind eine dieser Untergruppen, mit einer Besonderheit: Sie leben seit rund 600 Jahren in Mitteleuropa. Die erste gesicherte Erwähnung in Deutschland stammt laut Wikipedia aus dem Jahr 1407 in Hildesheim. Der Name Sinti wird mit dem Königreich Sindh im heutigen Pakistan in Verbindung gebracht, das 711 bis 713 von den Umayyaden angegriffen wurde.

Sinti leben heute in Mittel-, West- und Osteuropa, vor allem in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Norditalien und Frankreich, wo sie Manouches heißen. In Deutschland sind es laut Wikipedia etwa 60.000 Sinti mit deutscher Staatsbürgerschaft. Für die Gesamtgruppe der deutschen Sinti und Roma wird meist die Zahl von rund 70.000 genannt; Wikipedia gibt sie für das Jahr 1999 an. Genaue Zahlen gibt es nicht, weil die ethnische Zugehörigkeit amtlich nicht erfasst wird.

Die Doppelbezeichnung „Sinti und Roma“ ist in Deutschland spätestens seit der Gründung des Zentralrats 1982 gebräuchlich. Sie macht sichtbar, dass die Sinti als alteingesessene Gruppe eine eigene Identität haben, und schließt zugleich die Roma ein, die später zuwanderten.

Sprache und Herkunft

Das Bindeglied aller Gruppen ist Romanes, eine neuindische Sprache, die wie Hindi zur indoarischen Gruppe gehört. Sie wird laut Wikipedia „nach zurückhaltender Schätzung von weit mehr als 3,5 Millionen Menschen“ gesprochen und hat etwa 60 Dialekte. Die Sinti sprechen Sintitikes, auch Sinti-Romanes genannt, einen Dialekt, der stark vom Deutschen beeinflusst ist. Roma aus Rumänien oder Serbien sprechen andere Dialekte mit rumänischen oder slawischen Lehnwörtern.

Romanes hat in Deutschland einen besonderen Status: Der Zentralrat setzte laut eigener Darstellung 1995 die Anerkennung des deutschen Romanes als Minderheitensprache durch. Es ist eine überwiegend mündliche Sprache, die innerhalb der Familien weitergegeben wird.

Geschichte in Deutschland

Seit dem 15. Jahrhundert gehören Sinti zur Bevölkerung des deutschsprachigen Raums. Wikipedia nennt Sinti als Soldaten und vereinzelt Offiziere in Armeen des 17. und 18. Jahrhunderts, als Musiker und im reisenden Unterhaltungsgewerbe; bis Mitte des 19. Jahrhunderts lebten viele Familien sesshaft. Bekannte Sinti sind der Gitarrist Django Reinhardt und die Sängerin Marianne Rosenberg. Roma aus Südosteuropa kamen deutlich später und in mehreren Wellen nach Deutschland.

Der tiefste Einschnitt war der nationalsozialistische Völkermord. Laut Wikipedia wurden mindestens 10.500 Sinti aus Deutschland ermordet, vor allem in Auschwitz-Birkenau, als Teil des Genozids an Sinti und Roma in ganz Europa. Die Erinnerung an dieses Verbrechen gehört zu den Arbeitsbereichen des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, der im Februar 1982 gegründet wurde und seinen Sitz in Heidelberg hat. Er ist heute Dachverband von 19 Landes- und Mitgliedsverbänden und die politische Interessenvertretung der deutschen Sinti und Roma.

Anerkennung als Minderheit und der Begriff „Zigeuner“

Deutschland erkennt vier nationale Minderheiten an: die dänische Minderheit, die Friesen, die Sorben und die deutschen Sinti und Roma. Die Anerkennung geht auf das Rahmenübereinkommen des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten zurück. Der Zentralrat nennt Mai 1995 als Datum der Zusage, Wikipedia das Inkrafttreten für Deutschland 1997. Voraussetzung sind die deutsche Staatsangehörigkeit und traditionelle Bindungen an Deutschland. Roma, die erst seit wenigen Jahren hier leben, fallen nicht unter diesen Status.

Das Wort „Zigeuner“ ist eine Fremdbezeichnung und gilt laut Wikipedia als diskriminierend. Die International Roma Union empfahl 1971 die Selbstbezeichnung Roma. Die bpb nennt den „Zigeuner“ eines der langlebigsten europäischen Klischees. Richtig sind die Eigenbezeichnungen: Sinti, Roma oder Sinti und Roma.

Unterschied zwischen Sinti und Roma in der Tabelle

Merkmal Sinti Roma
Verhältnis Teilgruppe Oberbegriff für alle Gruppen mit Romanes
Ursprung Nordwestindien, gemeinsam mit allen Roma Nordwestindien, Abwanderung vor über 1.000 Jahren
In Mitteleuropa seit frühem 15. Jahrhundert (1407 Hildesheim) Südosteuropa spätestens 14. Jahrhundert; Deutschland in Wellen ab 19. Jh.
Sprache Sintitikes, deutsch beeinflusster Romanes-Dialekt rund 60 Romanes-Dialekte
Verbreitung Deutschland, Österreich, Schweiz, Norditalien, Frankreich ganz Europa, Schwerpunkt Südosten
Zahl etwa 60.000 mit deutscher Staatsbürgerschaft knapp 12 Millionen in Europa
Status in Deutschland gemeinsam als „deutsche Sinti und Roma“ nationale Minderheit, bei deutscher Staatsangehörigkeit
Vertretung Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, Heidelberg, seit 1982

Häufige Fragen

Sind Sinti auch Roma?

Ja, im Sinn des Oberbegriffs. Sinti sind eine Teilgruppe der Roma mit eigener Geschichte in Mitteleuropa.

Warum sagt man „Sinti und Roma“ und nicht nur „Roma“?

Weil die Sinti in Deutschland die alteingesessene Gruppe sind und eine eigene Identität haben. Die Doppelform nennt beide.

Darf man „Zigeuner“ sagen?

Der Begriff ist eine Fremdbezeichnung, gilt als diskriminierend und wird von den Betroffenen abgelehnt. Die Eigenbezeichnungen sind Sinti und Roma.

Wie viele Sinti und Roma leben in Deutschland?

Für die deutschen Sinti und Roma wird meist die Zahl von rund 70.000 genannt. Amtliche Zahlen gibt es nicht, weil die Herkunft nicht erfasst wird.

Welche Sprache sprechen Sinti und Roma?

Romanes, eine aus Indien stammende Sprache mit etwa 60 Dialekten. Sinti sprechen den Dialekt Sintitikes.

Seit wann sind Sinti und Roma eine nationale Minderheit?

Seit Mitte der 1990er-Jahre, auf Basis des Rahmenübereinkommens des Europarats. Der Status gilt für Sinti und Roma mit deutscher Staatsangehörigkeit.

Quellen

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Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Susanne Bork fuer smarterklärt.de. Strittige Faelle werden als strittig gekennzeichnet.


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