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Kurzantwort: Autismus ist eine angeborene Entwicklungsstörung des Gehirns. Sie zeigt sich in drei Bereichen: in der sozialen Interaktion, in der Kommunikation und in wiederholten Verhaltensweisen oder eng begrenzten Interessen. Heute spricht man von der Autismus-Spektrum-Störung, weil die Ausprägung von Mensch zu Mensch stark schwankt. Laut gesundheitsinformation.de ist etwa 1 von 100 Menschen in Deutschland betroffen.
Autismus ist ein Wort, das viele Bilder auslöst: das Kind, das nicht in die Augen schaut, der Erwachsene mit dem Inselwissen, die Figur aus dem Film. Die Diagnose ist breiter und zugleich genauer als diese Bilder. Sie beschreibt eine bestimmte Art, Reize und soziale Signale zu verarbeiten.
Hier liest du, was Autismus bedeutet, welche Merkmale dazugehören, warum die alten Unterbegriffe wie Asperger-Syndrom verschwinden, wie häufig Autismus ist und was über die Ursachen bekannt ist. Grundlage sind gesundheitsinformation.de, die Leitlinie der Fachgesellschaften und Wikipedia.
Die Definition
Gesundheitsinformation.de beschreibt Autismus als angeborene Entwicklungsstörung des Gehirns. Wikipedia nennt ihn eine angeborene neuronale Entwicklungsstörung. Beide Formulierungen sagen dasselbe: Das Gehirn entwickelt sich von Anfang an anders, und das prägt, wie ein Mensch wahrnimmt, kommuniziert und mit anderen umgeht.
Autismus ist keine Krankheit, die man bekommt oder wieder verliert. Er bleibt ein Leben lang. Die Fachbezeichnung lautet heute Autismus-Spektrum-Störung, kurz ASS. In der ICD-11, dem internationalen Diagnosesystem seit 2022, trägt sie den Code 6A02.
Die drei Kernmerkmale
Gesundheitsinformation.de und Wikipedia nennen übereinstimmend drei Bereiche.
Soziale Interaktion
Blickkontakt fällt schwer oder wird vermieden. Gefühle anderer zu lesen, ist mühsam. Mimik, Gestik und Ironie werden oft nicht erkannt. Freundschaften anzufangen und zu halten, ist anstrengend.
Kommunikation
Die Sprachentwicklung kann verzögert sein. Manche sprechen monoton, manche wiederholen Gehörtes wörtlich, das nennt man Echolalie. Andere sprechen flüssig, nehmen Sprache aber sehr wörtlich.
Wiederholtes Verhalten und enge Interessen
Stereotype Bewegungen wie Schaukeln oder Händeflattern. Feste Abläufe, die nicht gestört werden dürfen. Intensive, oft sehr spezielle Interessen. Dazu kommt bei vielen eine veränderte Reizverarbeitung: Geräusche, Licht oder Berührungen wirken stärker oder schwächer als bei anderen.
Warum es ein Spektrum ist
Früher gab es drei getrennte Diagnosen: frühkindlicher Autismus (ICD-10 F84.0), atypischer Autismus (F84.1) und Asperger-Syndrom (F84.5). Beim Asperger-Syndrom fehlte die Sprachverzögerung, die Intelligenz war durchschnittlich oder höher.
Die Forschung hat gezeigt, dass sich diese Gruppen nicht sauber trennen lassen. Deshalb fasst die ICD-11 alles unter der Autismus-Spektrum-Störung zusammen. Beschrieben wird zusätzlich, ob eine Intelligenzminderung vorliegt und wie stark die Sprache betroffen ist. Der Name Asperger verschwindet damit aus den Diagnosen, im Alltag wird er noch oft benutzt.
Zwei autistische Menschen können sich deshalb sehr unterscheiden. Der eine spricht nicht und braucht rund um die Uhr Unterstützung. Die andere arbeitet als Ingenieurin und fällt im Büro nur dadurch auf, dass sie Smalltalk meidet und den Lärm der Kantine nicht erträgt. Beide haben dieselbe Diagnose.
Das Spektrum reicht weit. Laut Wikipedia hat etwa ein Drittel der autistischen Menschen eine Intelligenzminderung mit einem IQ unter 70. Die anderen liegen im Durchschnitt oder darüber. Standardisierte IQ-Tests unterschätzen autistische Menschen zudem häufig.
Wie häufig Autismus ist
Gesundheitsinformation.de nennt für Deutschland etwa 1 von 100 Menschen. Wikipedia gibt weltweit ebenfalls rund 1 Prozent an.
Jungen und Männer erhalten die Diagnose deutlich häufiger. Gesundheitsinformation.de spricht von doppelt so oft, Wikipedia von einem Verhältnis von 3:1 bis 4:1. Ein Teil der Differenz gilt als Erkennungsproblem: Mädchen passen ihr Verhalten häufiger an und verbergen Merkmale, das sogenannte Masking. Sie werden deshalb später oder gar nicht erkannt.
Erste Zeichen zeigen sich laut gesundheitsinformation.de oft schon im Alter von ein bis zwei Jahren. Trotzdem leben viele Menschen Jahrzehnte ohne Diagnose, vor allem wenn die Sprache normal entwickelt ist.
Was über die Ursachen bekannt ist
Autismus ist zum größten Teil genetisch bedingt. Wikipedia beziffert die Erblichkeit auf 80 bis 90 Prozent. Gesundheitsinformation.de nennt ein konkretes Maß: Hat ein Kind Autismus, liegt das Risiko für ein Geschwisterkind bei 10 bis 20 Prozent. Auch ein höheres Alter der Eltern erhöht das Risiko.
Widerlegt ist die jahrzehntelang verbreitete Behauptung, Impfungen würden Autismus auslösen. Ebenso widerlegt ist die alte These von der „Kühlschrankmutter“, also einer gefühlskalten Erziehung als Ursache.
Die Geschichte des Begriffs
Der Kinderpsychiater Leo Kanner beschrieb 1943 in den USA erstmals den frühkindlichen Autismus. Ein Jahr später, 1944, veröffentlichte der Wiener Kinderarzt Hans Asperger seine Beobachtungen an Kindern mit ähnlichen, aber milderen Merkmalen. Nach ihm wurde das Asperger-Syndrom benannt.
Wie die Diagnose gestellt wird
Autismus lässt sich nicht im Blut oder im Hirnscan nachweisen. Die Diagnose stützt sich auf Verhaltensbeobachtung, ausführliche Gespräche mit Eltern oder Angehörigen und standardisierte Testverfahren. Zuständig sind Fachleute für Kinder- und Jugendpsychiatrie, bei Erwachsenen Psychiater oder Psychotherapeuten mit Autismus-Erfahrung.
Die Fachgesellschaften haben dafür eine S3-Leitlinie erstellt. Sie ist im AWMF-Register unter der Nummer 028-018 hinterlegt und beschreibt, welche Verfahren zur Diagnostik gehören.
Häufige Fragen
Ist Autismus eine Krankheit?
Medizinisch ist Autismus eine Diagnose. Viele Betroffene verstehen ihn als Teil ihrer Persönlichkeit und lehnen das Wort Krankheit ab. Der Begriff Neurodiversität drückt das aus.
Kann man Autismus im Erwachsenenalter noch bekommen?
Nein. Autismus ist angeboren. Erkannt wird er aber oft erst im Erwachsenenalter.
Haben autistische Menschen keine Gefühle?
Doch. Sie drücken sie oft anders aus und lesen die Gefühle anderer schwerer ab. Gesundheitsinformation.de widmet diesem Missverständnis einen eigenen Beitrag.
Gibt es das Asperger-Syndrom noch?
Als eigene Diagnose in der ICD-11 nicht mehr. Es geht in der Autismus-Spektrum-Störung auf.
Sind alle Autisten hochbegabt?
Nein. Etwa ein Drittel hat eine Intelligenzminderung, die anderen liegen im Durchschnitt oder darüber. Einzelne Inselbegabungen sind selten.
Wie häufig ist Autismus bei Kindern?
Etwa 1 von 100, bei Jungen häufiger als bei Mädchen.
Quellen
- gesundheitsinformation.de – Autismus
- gesundheitsinformation.de – Autisten haben Gefühle, sie drücken sie nur anders aus
- AWMF – S3-Leitlinie Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter
- Wikipedia – Autismus
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