Was ist Borderline? Definition, Kriterien und Zahlen erklärt

Kurzantwort: Borderline ist die Kurzform für Borderline-Persönlichkeitsstörung. Sie ist eine psychische Erkrankung, bei der Gefühle, Beziehungen und das eigene Selbstbild stark schwanken und Impulse schwer zu steuern sind. Laut Wikipedia liegt die Punktprävalenz bei etwa 1,6 Prozent der Bevölkerung. Die Diagnose erfordert nach DSM-5 mindestens fünf von neun festgelegten Kriterien.

„Die ist doch Borderline“ wird im Alltag schnell gesagt, wenn jemand launisch oder dramatisch wirkt. Die Diagnose dahinter ist enger und schwerer. Sie beschreibt ein Muster, das über Jahre besteht und das Leben der Betroffenen in fast allen Bereichen beeinflusst.

Hier liest du, was Borderline bedeutet, woher der Name kommt, welche neun Kriterien zur Diagnose gehören, wie häufig die Störung ist, was über Ursachen und Verlauf bekannt ist und welche Begleiterkrankungen typisch sind. Grundlage sind Wikipedia und die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN) von 2022.

Die Definition

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung, kurz BPS, gehört zu den Persönlichkeitsstörungen. Wikipedia beschreibt sie durch Impulsivität, instabile, aber intensive zwischenmenschliche Beziehungen und rasche Stimmungswechsel. Das Kernproblem ist die Regulation von Gefühlen: Sie kommen schnell, sind sehr stark und klingen langsam ab.

In der ICD-10 heißt die Diagnose emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ, Code F60.31. Die ICD-11 beschreibt Persönlichkeitsstörungen nach Schweregrad und ergänzt ein Borderline-Muster mit dem Code 6D11.5.

Woher der Name kommt

Borderline heißt Grenzlinie. Psychiater benutzten das Wort ab den 1930er-Jahren für Patienten, die weder eindeutig neurotisch noch eindeutig psychotisch wirkten, also an der Grenze zwischen beiden Kategorien lagen. Die Einteilung ist überholt, der Name ist geblieben.

Die neun Kriterien nach DSM-5

Das amerikanische Diagnosehandbuch DSM-5 nennt laut Wikipedia neun Merkmale. Für die Diagnose müssen mindestens fünf davon erfüllt sein:

  1. Verzweifeltes Bemühen, ein Verlassenwerden zu vermeiden
  2. Instabile, intensive Beziehungen, die zwischen Idealisierung und Entwertung wechseln
  3. Unsicheres Selbstbild oder Identitätsstörung
  4. Impulsivität in mindestens zwei selbstschädigenden Bereichen, etwa Geld, Sex, Substanzen, Essen oder Fahren
  5. Wiederholte Suiziddrohungen, Suizidversuche oder Selbstverletzung
  6. Starke Stimmungsschwankungen, die Stunden bis wenige Tage dauern
  7. Chronisches Gefühl von Leere
  8. Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, Wut zu kontrollieren
  9. Vorübergehende paranoide Vorstellungen oder dissoziative Symptome unter Belastung

Diese Merkmale müssen dauerhaft und in verschiedenen Situationen auftreten. Eine Diagnose stellen Psychiater oder Psychotherapeuten nach ausführlichen Gesprächen und strukturierten Interviews, nie nach einem Online-Test.

Wie häufig Borderline ist

Wikipedia nennt eine Punktprävalenz von etwa 1,6 Prozent der Weltbevölkerung. In psychiatrischen Kliniken liegt der Anteil je nach Einrichtung bei 6 bis 20 Prozent, weil Betroffene dort überdurchschnittlich oft behandelt werden.

Beim Geschlecht gibt es einen auffälligen Unterschied zwischen Klinik und Bevölkerung. In klinischen Einrichtungen sind Frauen laut Wikipedia im Verhältnis 3:1 in der Überzahl. In der Gesamtbevölkerung zeigen Studien dagegen keinen signifikanten Unterschied. Männer mit Borderline werden also seltener erkannt oder behandelt.

Die Störung beginnt meist im Jugendalter oder im frühen Erwachsenenalter. Erste Anzeichen wie Selbstverletzung oder heftige Beziehungskrisen fallen oft schon mit 14 oder 15 Jahren auf, die Diagnose folgt häufig Jahre später.

Was über die Ursachen bekannt ist

Borderline entsteht aus einem Zusammenspiel von Veranlagung und Erfahrungen. Wikipedia zitiert eine Studie von 2009, nach der etwa 40 Prozent der Varianz auf genetische Faktoren und 55 Prozent auf Umwelteinflüsse zurückgehen.

Zu den Umwelteinflüssen gehören belastende und traumatische Erfahrungen in der Kindheit, etwa Vernachlässigung, Gewalt oder sexueller Missbrauch. Nicht jeder Betroffene hat solche Erfahrungen gemacht, und nicht jeder mit solchen Erfahrungen entwickelt Borderline.

Auf der Ebene des Gehirns beschreibt Wikipedia eine Unterfunktion im präfrontalen Cortex, der für Impulskontrolle zuständig ist, sowie ein verringertes Volumen von Hippocampus und Amygdala, die an Gedächtnis und Gefühlsverarbeitung beteiligt sind.

Begleiterkrankungen und Risiken

Borderline tritt selten allein auf. Wikipedia nennt als häufige Begleiterkrankungen Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen, Essstörungen und Substanzmissbrauch. Etwa 20 Prozent der Erwachsenen mit Borderline haben zusätzlich ADHS.

Das Suizidrisiko ist deutlich erhöht. Rückblickende Studien fanden laut Wikipedia bis zu 10 Prozent, Studien mit Beobachtung über die Zeit 3 bis 6 Prozent. Selbstverletzungen wie Schneiden sind häufig und dienen oft dazu, unerträgliche Anspannung zu senken.

Wie Borderline verläuft

Die Prognose ist besser, als das Bild in der Öffentlichkeit vermuten lässt. Wikipedia zitiert eine Langzeitstudie des McLean Hospital über 16 Jahre: 78 Prozent der Teilnehmenden erlebten eine Besserung, die mindestens acht Jahre anhielt. 60 Prozent erreichten eine vollständige Erholung über mindestens zwei Jahre, 40 Prozent über mindestens acht Jahre. Die Rückfallquoten lagen je nach Dauer der Besserung zwischen 10 und 44 Prozent.

Behandelt wird Borderline vor allem mit Psychotherapie. Die S3-Leitlinie der DGPPN von November 2022 nennt mehrere speziell entwickelte Verfahren, darunter die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT), die Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT), die Schematherapie und die Übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP). Welche davon infrage kommt, klären Betroffene mit ihren Behandlern.

Häufige Fragen

Ist Borderline heilbar?

Der Verlauf ist oft günstiger als angenommen. In der McLean-Studie erreichten 60 Prozent eine mindestens zweijährige vollständige Erholung.

Ist Borderline dasselbe wie bipolar?

Nein. Bei einer bipolaren Störung dauern Hoch- und Tiefphasen Wochen bis Monate. Bei Borderline wechseln die Stimmungen innerhalb von Stunden oder Tagen, meist ausgelöst durch Ereignisse in Beziehungen.

Betrifft Borderline nur Frauen?

Nein. In der Bevölkerung sind beide Geschlechter ähnlich oft betroffen. In Kliniken überwiegen Frauen im Verhältnis 3:1.

Was heißt „emotional instabil“?

So nennt die ICD-10 die Störung. Gemeint ist, dass Gefühle sehr schnell kippen, sehr stark werden und nur langsam abklingen.

Gibt es Medikamente gegen Borderline?

Laut Wikipedia zeigt kein Medikament eine gesicherte Wirkung auf die Kernsymptome. Medikamente kommen bei Begleiterkrankungen wie Depressionen zum Einsatz.

Wo steht die offizielle Leitlinie?

Im AWMF-Register unter der Nummer 038-015, herausgegeben von der DGPPN.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Jonas, Redaktion smarterklärt.de — er erklärt hier Begriffe und Zusammenhänge in einfacher Sprache.


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