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Was ist Gicht? Ursache, Symptome und Behandlung erklärt

Kurzantwort: Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der zu viel Harnsäure im Blut ist und sich Harnsäurekristalle in Gelenken ablagern. Die Kristalle lösen eine Entzündung aus: Das Gelenk schwillt an, wird rot, heiß und tut sehr weh, beim ersten Anfall meist am Grundgelenk der großen Zehe. Schätzungsweise 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung sind betroffen, Männer etwa fünfmal häufiger als Frauen. Gicht lässt sich mit Medikamenten und Ernährung gut behandeln.

Gicht galt jahrhundertelang als Krankheit der Könige, weil sie die traf, die üppig aßen und viel Wein tranken. Der englische Arzt Thomas Sydenham beschrieb das schon 1683. Heute ist Gicht in Deutschland die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung.

Der Mechanismus ist gut verstanden. Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen, Bausteinen aus Zellkernen, die in Fleisch, Fisch und Bier stecken, aber auch im eigenen Körper anfallen. Normalerweise scheiden die Nieren die Harnsäure aus. Klappt das nicht, steigt der Spiegel, und ab einem bestimmten Wert fällt Harnsäure als nadelförmige Kristalle aus.

Dieser Text erklärt, wie Gicht entsteht, woran du sie erkennst, wie Ärztinnen und Ärzte sie behandeln und was du selbst tun kannst. Er ersetzt keinen Arztbesuch. Bei einem heißen, geschwollenen Gelenk gehst du zum Arzt.

Ursache: Harnsäure und Kristalle

In mehr als 90 Prozent der Fälle liegt eine genetisch bedingte Störung vor: Die Nieren oder der Darm scheiden zu wenig Harnsäure aus. Das nennt sich primäre Hyperurikämie. Etwa 10 Prozent sind sekundär, ausgelöst durch andere Krankheiten oder Medikamente, etwa entwässernde Mittel oder niedrig dosierte Acetylsalicylsäure.

Der Harnsäurewert im Blut entscheidet über das Risiko. Ab etwa 6,5 Milligramm pro Deziliter beginnt Harnsäure, sich im Gewebe abzulagern. Bei Werten über 8 mg/dl bekommt rund ein Viertel der Betroffenen Gichtanfälle, bei Werten über 9 mg/dl fast alle. Ein erhöhter Wert allein ist noch keine Gicht. Viele Menschen haben hohe Werte und nie einen Anfall.

Symptome: der Gichtanfall

Ein Gichtanfall kommt plötzlich, oft nachts. Das Gelenk schwillt innerhalb weniger Stunden an, wird rot, überwärmt und so schmerzempfindlich, dass schon die Bettdecke unerträglich ist. Beim ersten Anfall ist meist nur ein Gelenk betroffen, in den meisten Fällen das Grundgelenk der großen Zehe. Ärzte nennen das Podagra. Auch Sprunggelenk, Knie, Finger und Handgelenk können betroffen sein.

Zwischen den Anfällen ist das Gelenk oft völlig beschwerdefrei. Das verleitet dazu, die Krankheit zu unterschätzen. Unbehandelt klingt ein Anfall nach einigen Tagen bis zwei Wochen ab. Bleibt der Harnsäurespiegel hoch, kommen die Anfälle wieder. Bei chronischer Gicht bilden sich Tophi: sicht- und tastbare Knoten aus Harnsäurekristallen an Gelenken, Sehnen und Ohrmuscheln. Kristalle können sich auch in den Nieren ablagern und Nierensteine verursachen.

Risikofaktoren

  • Fleisch, Innereien, Fisch und Meeresfrüchte, weil sie viele Purine enthalten
  • Alkohol, besonders Bier
  • gezuckerte Getränke mit Fruchtzucker
  • Übergewicht
  • entwässernde Medikamente und Acetylsalicylsäure
  • Nierenschwäche, Bluthochdruck, Diabetes

Auch Operationen, Infekte, Flüssigkeitsmangel und strenges Fasten können einen Anfall auslösen, weil sie den Harnsäurespiegel kurzfristig verändern.

Zur Orientierung: Leber, Niere, Hering und Forelle enthalten mehr als 200 Milligramm Purine je 100 Gramm, Muskelfleisch und Hülsenfrüchte 80 bis 150 Milligramm, Milch, Ei, Käse und Kartoffeln unter 50 Milligramm.

Diagnose

Bei typischen Beschwerden erkennen Ärztinnen und Ärzte den akuten Gichtanfall oft am Bild: ein einzelnes, hochrotes, geschwollenes Gelenk. Sicher wird die Diagnose durch eine Gelenkpunktion, bei der unter dem Mikroskop Harnsäurekristalle in der Gelenkflüssigkeit nachgewiesen werden. Der Harnsäurewert im Blut hilft, ist aber während eines Anfalls nicht immer erhöht. Ultraschall und Dual-Energy-CT können Kristallablagerungen sichtbar machen.

Behandlung

Die Behandlung hat zwei Teile. Im Anfall geht es um Schmerz und Entzündung. Dafür kommen entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen, Kortison oder Colchicin zum Einsatz. Kühlen und Hochlagern helfen zusätzlich.

Langfristig geht es darum, den Harnsäurespiegel dauerhaft zu senken. Ziel ist ein Wert unter 6 mg/dl, weil sich dann keine neuen Kristalle bilden und alte sich langsam auflösen. Mittel der ersten Wahl ist seit 1964 Allopurinol. Es bremst die Bildung von Harnsäure. Febuxostat ist eine Alternative, etwa bei eingeschränkter Nierenfunktion. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie hat dazu 2024 eine S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Gicht“ veröffentlicht, in die auch die früheren hausärztlichen Leitlinien eingeflossen sind.

Die Medikamente wirken nur, solange du sie nimmst. Wer sie nach dem ersten beschwerdefreien Jahr absetzt, riskiert den nächsten Anfall. In den ersten Monaten der Harnsäuresenkung können sogar zusätzliche Anfälle auftreten, weil sich alte Kristalle auflösen. Ärztinnen und Ärzte geben deshalb oft übergangsweise Colchicin oder ein Schmerzmittel dazu.

Was du selbst tun kannst

Ernährung und Lebensstil senken den Harnsäurespiegel messbar, ersetzen bei ausgeprägter Gicht aber keine Medikamente. Sinnvoll ist, weniger Fleisch, Innereien und Meeresfrüchte zu essen, Bier und Spirituosen zu meiden, auf Softdrinks mit Fruchtzucker zu verzichten, viel Wasser zu trinken und bei Übergewicht langsam abzunehmen. Crash-Diäten sind ungünstig, weil Fasten den Harnsäurespiegel kurzfristig erhöht. Milchprodukte, Eier, Gemüse und Kartoffeln sind purinarm und unproblematisch.

Häufige Fragen

Ist Gicht heilbar?

Die Veranlagung bleibt. Mit dauerhaft gesenktem Harnsäurespiegel bleiben aber die meisten Betroffenen anfallsfrei, und Tophi bilden sich zurück.

Wie lange dauert ein Gichtanfall?

Unbehandelt einige Tage bis etwa zwei Wochen. Mit Medikamenten lassen die Schmerzen meist innerhalb von ein bis zwei Tagen deutlich nach.

Welcher Harnsäurewert ist zu hoch?

Ab etwa 6,5 mg/dl lagert sich Harnsäure im Gewebe ab. Bei bestehender Gicht gilt ein Zielwert unter 6 mg/dl.

Darf ich mit Gicht Kaffee trinken?

Ja. Kaffee gehört nicht zu den Risikofaktoren. Problematisch sind Bier, Spirituosen und fruchtzuckerhaltige Softdrinks.

Bekommen auch Frauen Gicht?

Ja, aber seltener und später, meist nach den Wechseljahren. Männer erkranken etwa fünfmal häufiger.

Ist Gicht dasselbe wie Rheuma?

Gicht zählt zu den rheumatischen Erkrankungen, hat aber eine andere Ursache als die rheumatoide Arthritis. Bei Gicht sind Kristalle der Auslöser, bei rheumatoider Arthritis das Immunsystem.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Jonas, Redaktion smarterklärt.de — er erklärt hier Begriffe und Zusammenhänge in einfacher Sprache.


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