Inhalt
Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten
Berufung hat im Deutschen mehrere Bedeutungen. Im Recht ist sie ein Rechtsmittel, mit dem eine Partei ein Urteil der ersten Instanz von einem höheren Gericht neu prüfen lässt. Im Alltag meint Berufung eine innere Lebensaufgabe, für die sich jemand bestimmt fühlt. Außerdem steht das Wort für den Ruf in ein Amt, etwa auf eine Professur.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Duden kennt fünf Bedeutungen von Berufung.
- Im Zivilprozess gilt eine Berufungsfrist von einem Monat.
- Im Strafprozess bleibt nur eine Woche Zeit.
- Das Wort „Beruf“ stammt von Luthers Übersetzung für „Berufung“.
Berufung: Bedeutung laut Duden
Der Duden listet fünf Bedeutungen. Die ersten beiden sind im Alltag am häufigsten, die vierte im Gericht.
| Nr. | Bedeutung | Beispielsatz |
|---|---|---|
| 1 | Angebot für ein Amt oder eine Stelle | Sie erhielt eine Berufung an die Universität Hamburg. |
| 2 | innere Bestimmung, Lebensaufgabe | Er fand in der Pflege seine Berufung. |
| 3 | das Sichberufen auf etwas | unter Berufung auf einen Zeugen |
| 4 | Rechtsmittel gegen ein Urteil | Der Anwalt legte Berufung ein. |
| 5 | norddeutsch für Tadel | heute kaum noch gebräuchlich |
Herkunft des Wortes
Berufung leitet sich vom Verb „berufen“ ab. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache verweist auf Martin Luther. Er übersetzte das lateinische „vocatio“ mit „Beruf“ und „Berufung“. Gemeint war ursprünglich der Ruf Gottes an den Menschen. Später wurde daraus das Wort für die Arbeit, mit der jemand seinen Lebensunterhalt verdient. Heute trennen die meisten Menschen die beiden Begriffe deutlich. Beruf ist das, womit jemand Geld verdient. Berufung ist das, was jemand aus innerem Antrieb tut.
Kurzantwort: Berufung bedeutet im Recht ein Rechtsmittel gegen ein Urteil. Im Alltag meint das Wort eine innere Lebensaufgabe oder den Ruf in ein Amt.
Berufung im Recht: was sie bewirkt
Wer ein Urteil für falsch hält, kann in vielen Fällen Berufung einlegen. Dann verhandelt ein höheres Gericht den Fall noch einmal. Es prüft die rechtliche Bewertung und in Grenzen auch die Tatsachen. Das unterscheidet die Berufung von der Revision. Die Revision prüft nur Rechtsfehler.
Die Berufung hat eine aufschiebende Wirkung. Das Urteil wird also noch nicht rechtskräftig. Erst die Entscheidung der zweiten Instanz schafft Klarheit.
Berufung im Zivilprozess
Im Zivilrecht regelt die Zivilprozessordnung die Berufung. Nach § 511 ZPO ist sie gegen Endurteile der Amts- und Landgerichte möglich. Zwei Wege führen zur Berufung:
- Der Wert des Beschwerdegegenstands liegt über 1.000 Euro.
- Das erste Gericht hat die Berufung im Urteil ausdrücklich zugelassen.
Eine Zulassung kommt vor allem bei Fällen mit grundsätzlicher Bedeutung infrage. Bei kleineren Streitwerten ohne Zulassung bleibt das erste Urteil bestehen.
Fristen der Berufung in Zivilsachen
Die Berufungsfrist beträgt einen Monat nach Zustellung des vollständigen Urteils (§ 517 ZPO). Für die Begründung bleiben zwei Monate (§ 520 ZPO). Beide Fristen beginnen spätestens fünf Monate nach der Verkündung. Die Berufungsfrist ist eine Notfrist. Das Gericht kann sie nicht verlängern. Vor dem Landgericht und dem Oberlandesgericht besteht Anwaltszwang.
Berufung im Strafprozess
Im Strafrecht ist die Berufung gegen Urteile des Amtsgerichts möglich. Das betrifft den Strafrichter und das Schöffengericht. Die Frist ist deutlich kürzer. Nach § 314 StPO muss die Berufung binnen einer Woche nach Verkündung eingelegt werden. Das geht schriftlich oder zu Protokoll der Geschäftsstelle. Das Landgericht verhandelt den Fall dann komplett neu, mit Zeugen und Beweisen.
| Bereich | Frist für die Einlegung | Gesetz |
|---|---|---|
| Zivilprozess | 1 Monat | § 517 ZPO |
| Strafprozess | 1 Woche | § 314 StPO |
| Begründung Zivilprozess | 2 Monate | § 520 ZPO |
Kurzantwort: In Zivilsachen läuft die Berufungsfrist einen Monat, in Strafsachen nur eine Woche. Wer die Frist versäumt, verliert das Rechtsmittel.
Berufung als Ruf in ein Amt
An Hochschulen ist die Berufung ein fester Begriff. Eine Universität „beruft“ eine Person auf einen Lehrstuhl. Dazu gibt es ein Berufungsverfahren mit Kommission, Probevortrag und Gutachten. Am Ende steht der „Ruf“. Auch Richterinnen, Minister oder Mitglieder von Gremien werden berufen. Das Wort betont dabei, dass jemand von außen ausgewählt wird.
Die innere Berufung finden
Im privaten Sinn beschreibt Berufung eine Tätigkeit, die sich stimmig anfühlt. Menschen sprechen von Berufung, wenn Fähigkeit und Neigung zusammenpassen. Typische Beispiele sind Pflege, Lehrberuf, Kunst oder Handwerk. Drei Fragen helfen bei der Suche:
- Bei welchen Aufgaben vergeht die Zeit wie im Flug?
- Wofür bitten andere regelmäßig um Rat?
- Was würde jemand auch ohne Bezahlung tun?
Berufung und Beruf müssen dabei nicht zusammenfallen. Viele leben ihre Berufung im Ehrenamt oder in der Freizeit aus.
Fazit
Berufung hat eine Bedeutung im Recht und eine im Leben. Vor Gericht ist sie das Rechtsmittel gegen ein Urteil der ersten Instanz, mit strengen Fristen von einer Woche bis einem Monat. Im Alltag steht sie für eine Lebensaufgabe oder den Ruf in ein Amt. Der gemeinsame Kern ist der Ruf, der auf Luthers Übersetzung von „vocatio“ zurückgeht.
FAQ – Häufige Fragen
Was bedeutet Berufung einfach erklärt?
Im Recht heißt Berufung, ein Urteil von einem höheren Gericht überprüfen zu lassen. Im Alltag bedeutet es eine innere Lebensaufgabe.
Was ist der Unterschied zwischen Berufung und Revision?
Die Berufung prüft Recht und Tatsachen. Die Revision prüft nur, ob das Recht richtig angewendet wurde.
Wie lange ist die Berufungsfrist?
Im Zivilprozess einen Monat, im Strafprozess eine Woche.
Ab welchem Streitwert ist Berufung möglich?
Im Zivilprozess ab einem Beschwerdewert über 1.000 Euro oder bei Zulassung durch das Gericht.
Braucht man für die Berufung einen Anwalt?
Vor dem Landgericht und dem Oberlandesgericht ja. Dort gilt Anwaltszwang.
Was kostet eine Berufung?
Das hängt vom Streitwert ab. Die Gerichtsgebühren sind in der Berufung höher als in der ersten Instanz.
Woher kommt das Wort Berufung?
Vom Verb „berufen“. Luther nutzte „Beruf“ und „Berufung“ für das lateinische „vocatio“.
Was bedeutet „unter Berufung auf“?
Die Wendung heißt „mit Verweis auf“. Beispiel: unter Berufung auf Regierungskreise.
Was ist eine Berufung an eine Universität?
Das Angebot einer Hochschule, eine Professur zu übernehmen.
Ist Berufung dasselbe wie Beruf?
Nein. Der Beruf sichert den Lebensunterhalt. Die Berufung ist eine Aufgabe, die jemand als persönlich bestimmt empfindet.
- Advokat: Bedeutung und Herkunft
- Unterschied zwischen Besitz und Eigentum
- Unterschied zwischen objektiv und subjektiv
- Unterschied zwischen Gehalt und Lohn
- Autodidaktisch: Bedeutung
Quellen

Ariane erklärt Technik so, wie sie es ihrer Mutter am Küchentisch erklären würde. Kurz, ohne Fachwörter, mit Beispiel.






