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Kurzantwort: Osteopathie ist ein manuelles Verfahren, bei dem Diagnose und Behandlung ausschließlich mit den Händen erfolgen. Behandelt werden Funktionsstörungen des Bewegungsapparats, nach Auffassung der Osteopathen auch der inneren Organe und des Schädels. Begründer ist der amerikanische Arzt Andrew Taylor Still, der die Methode 1874 vorstellte. In Deutschland ist Osteopathie kein eigener Heilberuf: Ausüben dürfen sie Ärzte und Heilpraktiker. Rund 90 gesetzliche Krankenkassen zahlen laut Verband der Osteopathen Deutschland einen Zuschuss.
Rückenschmerzen, verspannter Nacken, ein Baby, das viel schreit: In allen drei Fällen empfiehlt irgendjemand im Bekanntenkreis den Gang zum Osteopathen. Die Praxis ist meist gut gebucht, die Kasse zahlt einen Teil, und viele berichten, dass es geholfen hat.
Gleichzeitig steht in Fachartikeln, dass die Wirksamkeit für die meisten Anwendungen nicht belegt ist. Beides stimmt nebeneinander, und genau das macht das Thema verwirrend.
Hier liest du, was Osteopathie ist, woher sie kommt, welche drei Bereiche es gibt, was Studien zeigen, wer sie in Deutschland ausüben darf und was eine Behandlung kostet.
Die Definition
Wikipedia beschreibt Osteopathie im deutschsprachigen Raum als manuelle Diagnose- und Behandlungsverfahren für Funktionsstörungen des Bewegungsapparats, die mit bloßen Händen ausgeführt werden. Der Verband der Osteopathen Deutschland, kurz VOD, nennt sie eine eigenständige, ganzheitliche Form der Medizin, bei der Diagnose und Behandlung mit den Händen erfolgen.
Der Osteopath tastet Gewebe Schicht für Schicht ab und sucht nach Einschränkungen und Spannungen. Diese werden dann mit Griffen, Druck und Bewegungen gelöst. Geräte oder Medikamente kommen nicht zum Einsatz.
Woher die Osteopathie kommt
Begründer ist Andrew Taylor Still, 1828 bis 1917. Er stellte die Osteopathie laut Wikipedia am 22. Juni 1874 in den USA als „neue Wissenschaft“ vor. Still ging von vier Grundannahmen aus:
- Die Versorgung über die Arterien ist entscheidend.
- Der Körper ist eine Funktionseinheit.
- Struktur und Funktion beeinflussen sich gegenseitig.
- Der Körper besitzt Selbstheilungskräfte.
Wikipedia weist darauf hin, dass Stills Konzepte teilweise auf Annahmen beruhen, die im Widerspruch zu modernen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen stehen. Aus diesen Annahmen leiten Osteopathen bis heute ab, dass sich Beschwerden über das Lösen von Spannungen im Gewebe beeinflussen lassen.
Die drei Bereiche
| Bereich | Worum es geht | Studienlage laut Wikipedia |
|---|---|---|
| Parietale Osteopathie | Bindegewebe, Muskeln, Gelenke | einige Hinweise bei akuten und subakuten Rückenschmerzen, aber keine überlegene Wirksamkeit gegenüber anderen Behandlungen |
| Viszerale Osteopathie | innere Organe und ihre Aufhängungen | „keine Evidenz auf den Nutzen“ |
| Cranio-sacrale Osteopathie | angenommene Rhythmen zwischen Schädel und Kreuzbein | „Wirksamkeit konnte nicht belegt werden“ |
Die parietale Osteopathie überschneidet sich stark mit der Manuellen Medizin, die auch Ärzte und Physiotherapeuten anwenden. Die beiden anderen Bereiche sind das, was Osteopathie von der Physiotherapie unterscheidet, und zugleich das, was Kritiker am schärfsten anzweifeln.
Was Studien zeigen
Wikipedia fasst die Lage nüchtern zusammen. Für Rückenschmerzen gibt es Hinweise, dass parietale Techniken helfen, aber nicht besser als andere Verfahren wie Physiotherapie oder Bewegung. Für die Behandlung von Säuglingen und Kindern ist die Datenlage laut Wikipedia schwach. Für Asthma gibt es keine Belege.
Auch Nebenwirkungen sind Thema. Laut Wikipedia berichtet etwa die Hälfte der Patienten nach Manipulationen an der Wirbelsäule von Nebenwirkungen. Schwere Zwischenfälle sind laut Wikipedia möglich; genannt werden Schlaganfall und Cauda-equina-Syndrom. Wer eine Behandlung erwägt, sollte Vorerkrankungen vorher ansprechen.
Wer Osteopathie in Deutschland ausüben darf
Osteopathie ist laut Wikipedia in Deutschland kein eigenständiger Heilberuf. Es gibt kein Berufsgesetz und keine staatliche Ausbildungsordnung. Weil die Behandlung als Heilkunde gilt, dürfen sie nur Personen ausüben, die Heilkunde ausüben dürfen: approbierte Ärztinnen und Ärzte sowie Heilpraktiker.
Physiotherapeuten brauchen dafür laut Wikipedia eine eigene Heilpraktikererlaubnis. Auch die Bezeichnung „Osteopath“ ist für andere Berufsgruppen rechtlich nicht zulässig. Das Landgericht Düsseldorf bestätigte das laut Wikipedia in einer Entscheidung vom 24. Juli 2006.
Die Ausbildung findet an privaten Instituten statt, teils auch als Bachelor- oder Masterstudium. Eine bundesweit einheitliche Stundenzahl gibt es nicht; die Verbände empfehlen laut Wikipedia 700 bis 1.350 Unterrichtseinheiten. Ein Blick auf Ausbildung und Verbandsmitgliedschaft lohnt sich deshalb vor dem ersten Termin.
Kosten und Krankenkasse
Eine Sitzung kostet laut Wikipedia unter Berufung auf den VOD zwischen 60 und 150 Euro. Seit 2012 übernehmen laut Wikipedia rund 90 gesetzliche Krankenkassen einen Teil der Kosten. Die VOD-Liste zählt ebenfalls 90 Kassen. Die Regeln unterscheiden sich stark:
- Zuschuss meist 30 bis 60 Euro je Sitzung
- in der Regel 3 bis 6 Sitzungen im Jahr, bei einzelnen Kassen bis zu 8
- jährliche Obergrenze zwischen 90 und 400 Euro
- häufig eine ärztliche Empfehlung oder Verordnung als Voraussetzung
- Behandlung durch einen Osteopathen mit anerkannter Qualifikation, oft Mitgliedschaft in einem Berufsverband
Wikipedia ordnet diese Zuschüsse als Satzungsleistung ein, mit der Kassen um Mitglieder werben. Ein Wirksamkeitsnachweis steht dahinter nicht. Frag vor dem Termin bei deiner Kasse nach den aktuellen Bedingungen; die VOD-Liste gibt ihre Angaben ausdrücklich ohne Gewähr.
Häufige Fragen
Ist Osteopathie dasselbe wie Physiotherapie?
Nein. Physiotherapie ist ein staatlich geregelter Beruf mit Verordnung durch den Arzt. Osteopathie ist ein manuelles Verfahren ohne eigenes Berufsgesetz, das Ärzte und Heilpraktiker ausüben.
Zahlt die Krankenkasse Osteopathie?
Rund 90 gesetzliche Kassen zahlen laut VOD einen Zuschuss, meist 30 bis 60 Euro je Sitzung für 3 bis 6 Sitzungen im Jahr.
Brauche ich eine Überweisung?
Für die Behandlung selbst nicht. Viele Kassen verlangen für den Zuschuss aber eine ärztliche Empfehlung.
Hilft Osteopathie bei Rückenschmerzen?
Laut Wikipedia gibt es Hinweise auf einen Nutzen bei akuten Rückenschmerzen, aber keine Überlegenheit gegenüber anderen Behandlungen.
Ist Osteopathie für Babys sinnvoll?
Die Datenlage ist laut Wikipedia schwach. Besprich Beschwerden deines Kindes zuerst mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt.
Wie erkenne ich einen qualifizierten Osteopathen?
An der Erlaubnis zur Heilkunde, also Approbation oder Heilpraktikererlaubnis, an einer mehrjährigen Ausbildung und an der Mitgliedschaft in einem Berufsverband wie dem VOD.
Quellen
- Wikipedia – Osteopathie (Alternativmedizin)
- Verband der Osteopathen Deutschland – Osteopathie
- Verband der Osteopathen Deutschland – Krankenkassen
Geschrieben von Jonas, Redaktion smarterklärt.de — er erklärt hier Begriffe und Zusammenhänge in einfacher Sprache.






