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Kurzantwort: Cortisol ist ein Steroidhormon aus der Gruppe der Glucocorticoide, das in der Nebennierenrinde gebildet wird. Es erhöht den Blutzucker, dämpft Entzündungen und das Immunsystem und stellt dem Körper bei Stress Energie bereit. Der Spiegel folgt einem Tagesrhythmus: am höchsten kurz nach dem Aufwachen, am niedrigsten in der Nacht. Laut Wikipedia liegt der Referenzbereich für Gesamtcortisol am Morgen bei 165 bis 690 Nanomol je Liter Blut.
Cortisol hat einen schlechten Ruf. „Stresshormon“ heißt es in Ratgebern, und Cortisol senken gilt als Ziel. Dabei kann kein Mensch ohne Cortisol leben. Es hält den Blutzucker stabil, regelt den Blutdruck mit und sorgt dafür, dass du morgens überhaupt wach wirst.
Hier liest du, was Cortisol ist, wie der Körper es steuert, welche Aufgaben es hat, wie sich der Spiegel über den Tag verändert, welche Werte normal sind und was passiert, wenn zu viel oder zu wenig davon da ist.
Die Definition
Wikipedia ordnet Cortisol als Steroidhormon und Glucocorticoid ein. Steroidhormone entstehen aus Cholesterin. Glucocorticoide heißen so, weil sie den Glucosestoffwechsel beeinflussen und in der Rinde (lateinisch cortex) der Nebenniere gebildet werden. Cortisol ist das wichtigste Glucocorticoid des Menschen.
Als Medikament heißt der gleiche Stoff Hydrocortison. Die Bezeichnung „Cortison“ im Alltag meint meist Cortisol-ähnliche Wirkstoffe wie Prednisolon, die zur Unterdrückung von Entzündungen eingesetzt werden. Das körpereigene Cortison ist dagegen eine inaktive Vorstufe, die der Körper in Cortisol umwandelt.
Wie der Körper Cortisol steuert
Die Steuerung läuft laut Wikipedia über drei Stationen, die zusammen als Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse bezeichnet werden:
- Der Hypothalamus im Gehirn schüttet das Hormon CRH aus.
- CRH veranlasst die Hypophyse, die Hirnanhangsdrüse, ACTH ins Blut zu geben.
- ACTH regt die Nebennierenrinde an, Cortisol zu bilden und freizusetzen.
Steigt der Cortisolspiegel, bremst er Hypothalamus und Hypophyse. Das ist eine Rückkopplung, die den Spiegel in Grenzen hält. Die Ausschüttung erfolgt laut Wikipedia in etwa 7 bis 10 Schüben am Tag statt gleichmäßig.
Was Cortisol im Körper macht
Wikipedia nennt mehrere Wirkungen, die alle einem Ziel dienen: Energie bereitstellen und den Körper leistungsfähig halten.
- Blutzucker: Cortisol regt die Leber an, aus Eiweißbausteinen neue Glucose zu bilden. Der Blutzucker steigt.
- Fett: Es verstärkt die fettabbauende Wirkung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin.
- Eiweiß: Es wirkt katabol, baut also Eiweiß ab, etwa in Muskeln, um Baustoffe für Glucose zu gewinnen.
- Immunsystem: Es dämpft Entzündungen und die Immunabwehr. Deshalb werden Cortisol-ähnliche Medikamente bei Allergien, Rheuma oder Asthma eingesetzt.
- Kreislauf: Es beeinflusst den Blutdruck und unterstützt die Wirkung gefäßverengender Hormone.
Bei akutem Stress, etwa Gefahr oder Prüfung, passt das zusammen: mehr Zucker im Blut, wacher Kopf, gedämpfte Schmerz- und Entzündungsreaktionen. Problematisch wird es, wenn der Spiegel dauerhaft hoch bleibt.
Der Tagesrhythmus
Cortisol ist eines der Hormone mit dem deutlichsten Tagesverlauf. Laut Wikipedia steigt der Spiegel in der zweiten Nachthälfte an und erreicht kurz nach dem Aufwachen seinen Höchstwert. Dieser Anstieg innerhalb der ersten halben Stunde nach dem Erwachen heißt Cortisol Awakening Response. Im Laufe des Tages sinkt der Spiegel und ist gegen Mitternacht am niedrigsten.
Der Anstieg am Morgen ist eine Art Startsignal. Er bringt Zucker ins Blut und den Kreislauf in Gang, bevor du das erste Mal gefrühstückt hast. Am Abend sinkt der Spiegel, damit der Körper zur Ruhe kommen kann.
Dieser Rhythmus erklärt, warum Blutwerte nur mit Uhrzeit aussagekräftig sind. Ein Wert um 8 Uhr morgens und ein Wert um 22 Uhr lassen sich nicht vergleichen. Auch Schichtarbeit, Jetlag und Schlafmangel verschieben die Kurve.
Normale Werte
Wikipedia nennt für den Morgen einen Referenzbereich von 165 bis 690 Nanomol je Liter für das Gesamtcortisol im Blut. Für freies Cortisol, also den nicht an Transporteiweiße gebundenen Anteil, liegt der Bereich bei 5 bis 23 Nanomol je Liter. Labore geben teilweise andere Einheiten an, etwa Mikrogramm je Deziliter, und eigene Referenzbereiche. Maßgeblich ist immer der Bereich auf dem Laborbefund.
Gemessen wird Cortisol im Blut, im Speichel oder im 24-Stunden-Urin. Speichelmessungen um Mitternacht und der Dexamethason-Hemmtest gehören laut Wikipedia zu den Standardverfahren, wenn ein Überschuss abgeklärt werden soll.
Zu viel und zu wenig Cortisol
Cushing-Syndrom
Ein dauerhafter Überschuss heißt Hypercortisolismus oder Cushing-Syndrom. Wikipedia nennt als typische Zeichen eine Fettverteilung mit dickem Rumpf und dünnen Armen und Beinen, ein rundes Gesicht, Muskelschwäche, Bluthochdruck und erhöhten Blutzucker. Die häufigste Ursache ist die langfristige Einnahme cortisolähnlicher Medikamente. Bei der körpereigenen Form ist in etwa 70 Prozent der Fälle ein gutartiger Tumor der Hypophyse verantwortlich, der zu viel ACTH bildet; das nennt man Morbus Cushing.
Morbus Addison
Ein Mangel entsteht, wenn die Nebennierenrinde zu wenig Cortisol bildet. Die Krankheit heißt Morbus Addison oder Nebennierenrindeninsuffizienz. Weil Cortisol lebensnotwendig ist, muss es dann als Medikament ersetzt werden.
Die Entdeckung
Cortisol wurde laut Wikipedia in den 1930er- und 1940er-Jahren von Forschergruppen um Edward Kendall und Tadeus Reichstein aus Nebennieren isoliert. Für die Arbeiten an den Nebennierenhormonen erhielten Kendall, Reichstein und Philip Hench 1950 den Nobelpreis für Medizin.
Häufige Fragen
Ist Cortisol dasselbe wie Cortison?
Nein. Cortisol ist das aktive Hormon. Cortison ist eine inaktive Vorstufe. Im Alltag steht „Cortison“ meist für Medikamente mit cortisolähnlicher Wirkung.
Wann ist der Cortisolspiegel am höchsten?
Kurz nach dem Aufwachen, in der ersten halben Stunde. Am niedrigsten ist er gegen Mitternacht.
Was ist ein normaler Cortisolwert?
Laut Wikipedia morgens 165 bis 690 Nanomol je Liter Gesamtcortisol im Blut. Der Referenzbereich des Labors auf dem Befund ist verbindlich.
Macht Cortisol dick?
Ein dauerhafter Überschuss wie beim Cushing-Syndrom verändert die Fettverteilung hin zum Rumpf. Normale Schwankungen im Tagesverlauf tun das nicht.
Warum heißt Cortisol Stresshormon?
Weil die Ausschüttung bei körperlichem und seelischem Stress steigt und der Körper damit Energie bereitstellt.
Kann man ohne Cortisol leben?
Nein. Bei Nebennierenrindeninsuffizienz muss das Hormon als Medikament ersetzt werden.
Quellen
- Wikipedia – Cortisol
- Wikipedia – Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse
- Wikipedia – Cushing-Syndrom
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