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Titelbild: „A common neighborhood workshop in Yaounde, Cameroon“ von Beatbybambeano · CC BY-SA 4.0 · via Wikimedia Commons · zugeschnitten
Kurzantwort: Tischler und Schreiner sind derselbe Beruf. Der Unterschied liegt in der Region: In Nord-, West- und Ostdeutschland, Österreich und Südtirol sagt man Tischler, in Süddeutschland, im mittleren Westen und in der Schweiz Schreiner. Die amtliche Berufsbezeichnung in Deutschland lautet seit der Ausbildungsverordnung vom 25. Januar 2006 „Tischler/Tischlerin“, in der Schweiz „Schreiner“. Ausbildung, Aufgaben und Meisterprüfung sind identisch.
Wer aus Hamburg nach München zieht, sucht plötzlich vergeblich nach einer Tischlerei. Wer aus Stuttgart nach Berlin kommt, findet keine Schreinerei. Beide gibt es, sie heißen nur anders. Der Handwerker dahinter baut in beiden Städten Möbel, Fenster, Türen und Treppen.
Die zwei Namen sind Reste einer Zeit, in der jede Region ihre eigene Handwerkssprache hatte. Sie sind älter als jede Ausbildungsordnung und haben sie überlebt.
Hier findest du die Herkunft beider Wörter, die regionale Verteilung, die amtliche Regelung und die Abgrenzung zum Zimmerer.
Zwei Wörter, ein Beruf
Wikipedia beschreibt Tischler als Handwerker, die Holz und Holzwerkstoffe durch „schneidende, fügende oder veredelnde Verarbeitung“ bearbeiten und daraus Möbel, Fenster, Türen und Bauelemente herstellen. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) definiert Schreiner mit denselben Worten: „Handwerker, der Holz bearbeitet und daraus besonders Möbel herstellt“. Es gibt keine Tätigkeit, die nur der eine oder nur der andere ausführt.
Innerhalb des Berufs gibt es Spezialisierungen, die überall gleich heißen: Möbeltischler für Schränke, Tische und Innenausbau, Bautischler für Fenster, Türen und Treppen. Ein Schreiner in Bayern ist also ebenfalls Möbelschreiner oder Bauschreiner.
Woher die Namen kommen
Schreiner kommt vom Schrein. Das Wort geht laut DWDS auf das mittelhochdeutsche „schrîn“ zurück, das aus dem lateinischen „scrinium“ entlehnt wurde, einem Behältnis für Papiere und Bücher. Ein Schrein war ursprünglich ein kastenförmiger Behälter, später Truhe, Sarg, Kiste und Schrank. Der Schreiner war der Mann, der solche Kästen baute.
Tischler ist laut DWDS seit dem 15. Jahrhundert belegt und bedeutet wörtlich „Tischmacher“. Eine frühe Form war „Tischer“. Das Wort entstand im ostdeutschen Sprachraum, im Gegensatz zur west- und süddeutschen Form Schreiner. Beide Berufe waren zunächst dasselbe: der Handwerker, der aus Brettern Kästen und Tische fügt, im Unterschied zum Zimmermann, der Balken für Häuser bearbeitet. Laut Wikipedia spaltete sich die Tischlerei seit dem 14. Jahrhundert von der Zimmerei ab. Ältere Namen wie Kistenmacher, Kistner und Kistler sind verschwunden.
Wo man Tischler sagt und wo Schreiner
Die Verteilung folgt laut Wikipedia einer Linie durch Deutschland. Tischlerei sagt man in Nord-, West- und Ostdeutschland, in Österreich und in Südtirol. Schreinerei sagt man in Süddeutschland, vor allem in Baden-Württemberg und Bayern, in der Deutschschweiz und in Vorarlberg. Das DWDS ergänzt das mittlere Westdeutschland für Schreiner.
Amtlich ist die Sache klar: In Deutschland und Österreich lautet die Berufsbezeichnung Tischler, in der Schweiz Schreiner. Der deutsche Bundesverband trägt beide Namen im Titel: Tischler Schreiner Deutschland, der Bundesinnungsverband für Tischler/Schreiner, Drechsler und Baufertigteilmonteure.
Ausbildung und Meister
Die Verordnung über die Berufsausbildung zum Tischler/zur Tischlerin vom 25. Januar 2006 regelt in § 1: Der Ausbildungsberuf wird „für die Ausbildung für das Gewerbe Nummer 27, Tischler der Anlage A der Handwerksordnung staatlich anerkannt“. § 2 legt fest: „Die Ausbildung dauert drei Jahre.“ Sie läuft dual in Betrieb und Berufsschule, mit Gesellenprüfung am Ende.
Anlage A der Handwerksordnung listet die zulassungspflichtigen Handwerke. Wer sich selbstständig machen und ausbilden will, braucht in der Regel den Meistertitel. Auch der heißt amtlich Tischlermeister, egal ob das Schild an der Werkstatt Schreinerei sagt. Wikipedia zählte für 2015 in Deutschland 31.847 Meisterbetriebe mit 200.950 Beschäftigten und rund 21,6 Milliarden Euro Umsatz.
Was Tischler von Zimmerern unterscheidet
Der Zimmerer ist der Beruf, mit dem Tischler und Schreiner wirklich verwechselt werden. Zimmerleute fertigen und errichten laut Wikipedia „Bauwerksteile, wie Dachkonstruktionen, Fachwerk, Balkone und Veranden“. Sie arbeiten mit Balken und Kanthölzern auf der Baustelle, ihr Werk ist das Gebäude. Auch ihre Ausbildung dauert drei Jahre.
Tischler und Schreiner arbeiten mit Brettern, Platten und Furnieren in der Werkstatt, ihr Werk ist das Möbelstück oder das Bauelement, das ins fertige Haus eingebaut wird. Faustregel: Der Zimmerer baut den Dachstuhl, der Tischler die Treppe darunter und den Schrank daneben.
Unterschied zwischen Tischler und Schreiner in der Tabelle
| Merkmal | Tischler | Schreiner |
|---|---|---|
| Beruf | identisch: Holz und Holzwerkstoffe zu Möbeln, Fenstern, Türen, Bauelementen verarbeiten | |
| Wortherkunft | Tisch, „Tischmacher“, seit 15. Jh. belegt | Schrein, mhd. schrîn, lat. scrinium |
| Sprachraum | Nord-, West-, Ostdeutschland, Österreich, Südtirol | Süddeutschland, mittleres Westdeutschland, Schweiz, Vorarlberg |
| Amtliche Bezeichnung | Deutschland, Österreich | Schweiz |
| Ausbildung in Deutschland | Tischler/Tischlerin, drei Jahre, Verordnung vom 25. Januar 2006 | |
| Handwerksordnung | Gewerbe Nr. 27, Anlage A, zulassungspflichtig | |
| Meistertitel | Tischlermeister/Tischlermeisterin | |
| Ältere Namen | Kistenmacher, Kistner, Kistler, Tischer | |
Häufige Fragen
Gibt es einen Unterschied in der Ausbildung?
Nein. In Deutschland gilt für beide dieselbe Verordnung von 2006 mit drei Jahren Ausbildungsdauer und dem Abschluss Tischler/Tischlerin.
Warum heißt es Schreinerei, wenn der Beruf Tischler heißt?
Weil die Ausbildungsordnung den ostdeutschen Namen übernommen hat, der Alltag im Süden aber beim gewohnten Wort blieb. Ein Firmenschild darf Schreinerei heißen.
Was sagt man in Österreich und der Schweiz?
In Österreich Tischler, in Vorarlberg auch Schreiner. In der Schweiz ist Schreiner die amtliche Bezeichnung.
Was ist der Unterschied zum Zimmerer?
Der Zimmerer baut tragende Holzkonstruktionen wie Dachstühle und Fachwerk auf der Baustelle. Der Tischler baut Möbel, Fenster, Türen und Treppen in der Werkstatt.
Wie viele Tischlerbetriebe gibt es in Deutschland?
Laut Wikipedia gab es 2015 rund 31.800 Meisterbetriebe mit etwa 201.000 Beschäftigten.
Woher kommt das Wort Schreiner?
Vom Schrein, einem Kasten oder einer Truhe. Das Wort geht über das Mittelhochdeutsche auf das lateinische scrinium zurück.
Quellen
- Wikipedia – Tischler
- DWDS – Schreiner
- DWDS – Tischler
- Verordnung über die Berufsausbildung zum Tischler/zur Tischlerin (2006)
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Nico Thalmann schreibt fuer smarterklärt.de und belegt Regeln mit Woerterbuechern und Fachliteratur.

Nico probiert Apps und Geräte aus, bevor er sie empfiehlt, und schreibt über Tastenkürzel, Einstellungen und Abkürzungen im Alltag.







