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Was ist Neuropathie? Nervenschäden einfach erklärt

Kurzantwort: Neuropathie ist laut Wikipedia „ein Sammelbegriff für viele Erkrankungen des peripheren Nervensystems“, also der Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark. Geschädigte Nerven leiten Signale falsch oder gar nicht mehr, deshalb kommt es zu Kribbeln, Taubheit, brennenden Schmerzen oder Muskelschwäche, meist zuerst an Füßen und Händen. Sind viele Nerven betroffen, spricht man von Polyneuropathie. Häufigste Ursachen in Deutschland sind Diabetes und Alkohol.

Die Füße kribbeln abends im Bett, die Zehen fühlen sich an wie eingeschlafen, beim Gehen fehlt das Gefühl für den Boden. So beschreiben viele Menschen die ersten Anzeichen einer Neuropathie. Der Begriff fällt dann beim Arzt, oft zusammen mit dem Wort Polyneuropathie.

Dahinter steckt kein einzelnes Krankheitsbild. Neuropathie beschreibt, dass Nerven geschädigt sind. Warum sie geschädigt sind, ist eine zweite Frage, und die Antwort entscheidet über die Behandlung.

Hier liest du, was eine Neuropathie ist, welche Formen es gibt, woher sie kommt, wie sie sich anfühlt und wie sie festgestellt wird. Der Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

Die Definition

Das Nervensystem hat zwei Teile. Gehirn und Rückenmark bilden das zentrale Nervensystem. Alle Nerven, die von dort in Arme, Beine, Haut und Organe ziehen, bilden das periphere Nervensystem. Eine Neuropathie betrifft diesen zweiten Teil. Das Wort kommt laut Wikipedia vom griechischen neuron für Nerv.

Ein peripherer Nerv besteht aus vielen Fasern mit unterschiedlichen Aufgaben. Sensible Fasern melden Berührung, Temperatur und Schmerz ans Gehirn. Motorische Fasern steuern die Muskeln. Vegetative Fasern regeln Herzschlag, Verdauung, Schwitzen und Blase. Je nachdem, welche Fasern betroffen sind, fühlt sich eine Neuropathie anders an.

Welche Formen es gibt

Wikipedia teilt Neuropathien nach dem Befallsmuster ein:

Form Was betroffen ist Beispiel
Mononeuropathie ein einzelner Nerv Karpaltunnelsyndrom am Handgelenk
Mononeuritis multiplex mehrere einzelne Nerven nacheinander seltene Form
Polyneuropathie viele Nerven gleichzeitig, meist symmetrisch diabetische Polyneuropathie
Autonome Neuropathie vegetative Nerven der Organe Herzrhythmus, Magenentleerung, Blase

Im Alltag ist mit „Neuropathie“ fast immer die Polyneuropathie gemeint. Wikipedia definiert sie als „Oberbegriff für bestimmte Erkrankungen des peripheren Nervensystems, die mehrere Nerven betreffen“. Sie beginnt typischerweise an den längsten Nerven, also an den Füßen, und wandert langsam nach oben.

Die Ursachen

Wikipedia unterscheidet primäre Neuropathien, die überwiegend vererbt sind, von sekundären, die als Folge einer anderen Erkrankung entstehen. Die zweite Gruppe ist viel größer. Als Auslöser nennt Wikipedia:

  • Stoffwechselstörungen, vor allem Diabetes mellitus
  • Nervengifte wie Alkohol, Schwermetalle und Lösemittel
  • Infektionen, etwa durch Varizellen, Borrelien oder Lepra
  • Autoimmunprozesse wie das Guillain-Barré-Syndrom
  • Vitamin-B12-Mangel
  • Medikamente aus der Chemotherapie, etwa Oxaliplatin oder Paclitaxel
  • Erbliche Formen wie Morbus Charcot-Marie-Tooth

Diabetes steht an erster Stelle. Das Portal diabinfo.de schreibt, dass „jeder 2. Mensch mit Typ-2-Diabetes“ im Laufe seines Lebens Nervenschäden entwickelt. Die periphere Form trifft laut diabinfo.de etwa 30 von 100 Menschen mit Diabetes. Bei einem Teil der Betroffenen bleibt die Ursache trotz Suche unklar; Ärzte sprechen dann von einer idiopathischen Polyneuropathie.

So fühlt sich eine Neuropathie an

Ärztinnen und Ärzte unterscheiden zwei Gruppen von Beschwerden. Wikipedia nennt sie Minus- und Plussymptomatik. Bei der Minussymptomatik fehlt etwas: Berührung, Temperatur oder Schmerz werden schwächer wahrgenommen. Bei der Plussymptomatik kommt etwas dazu: Kribbeln, Ameisenlaufen, Brennen.

Typisch ist die Verteilung. Die Beschwerden sind laut Wikipedia „handschuh- oder sockenförmig begrenzt“, weil die längsten Nervenfasern zuerst leiden. Laut diabinfo.de treten sie oft „in Ruhe, vor allem abends oder nachts“ stärker auf. Später können Gangunsicherheit, Muskelschwäche und Koordinationsstörungen dazukommen.

Gefährlich ist die fehlende Wahrnehmung. Wer Druckstellen oder kleine Wunden am Fuß nicht spürt, bemerkt sie zu spät. Deshalb empfiehlt diabinfo.de Menschen mit Typ-2-Diabetes eine jährliche Untersuchung der Füße, bei Typ-1-Diabetes ab fünf Jahren Erkrankungsdauer.

So wird die Diagnose gestellt

Die Untersuchung läuft in Stufen:

  1. Gespräch: Seit wann bestehen die Beschwerden, wo genau, welche Vorerkrankungen, welcher Alkoholkonsum, welche Medikamente?
  2. Körperliche Prüfung: Eine schwingende Stimmgabel am Fußknöchel testet das Vibrationsempfinden. Ein Nylonfaden, das Monofilament, oder Watte prüfen das Berührungsempfinden. Der Reflexhammer prüft die Reflexe.
  3. Nervenmessung: Die Elektroneurographie misst, wie schnell ein Nerv leitet. Das EMG prüft die elektrische Aktivität der Muskeln.
  4. Blutwerte: Blutzucker, Vitamin B12 und weitere Werte helfen, die Ursache einzugrenzen.

Diese Untersuchungen nennen Wikipedia und diabinfo.de übereinstimmend. Ziel ist immer, die Ursache zu finden, denn sie bestimmt die Behandlung.

Was die Ursache für die Behandlung bedeutet

Eine Neuropathie behandelt man über ihren Auslöser. Bei Diabetes geht es um die Blutzuckereinstellung, bei Alkohol um den Verzicht, bei Vitamin-B12-Mangel um den Ausgleich, bei Chemotherapie um die Rücksprache mit der behandelnden Onkologie. Dazu kommen Maßnahmen gegen die Beschwerden selbst, etwa Physiotherapie bei Gangunsicherheit. Welche Schmerzmittel oder anderen Medikamente in Frage kommen, entscheidet die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall.

Ob sich Nerven erholen, hängt vom Schaden und von der Ursache ab. Früh erkannt und mit beseitigtem Auslöser können sich Beschwerden bessern. Weit fortgeschrittene Schäden bleiben oft bestehen. Deshalb lohnt sich der Gang in die Praxis beim ersten anhaltenden Kribbeln.

Häufige Fragen

Ist Neuropathie dasselbe wie Polyneuropathie?

Polyneuropathie ist eine Form der Neuropathie, bei der viele Nerven betroffen sind. Im Alltag werden beide Wörter oft gleichbedeutend gebraucht.

Woran merke ich eine Neuropathie zuerst?

Meist an Kribbeln, Taubheit oder Brennen in den Füßen, oft abends und nachts stärker.

Ist Neuropathie heilbar?

Das hängt von der Ursache ab. Wird der Auslöser früh beseitigt, können sich Nerven erholen. Bei fortgeschrittenen Schäden bleiben Beschwerden oft bestehen.

Welcher Arzt ist zuständig?

Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Für Nervenmessungen überweist sie an eine neurologische Praxis.

Wie häufig ist Neuropathie bei Diabetes?

Laut diabinfo.de entwickelt jeder zweite Mensch mit Typ-2-Diabetes im Laufe des Lebens Nervenschäden; die periphere Form trifft etwa 30 von 100.

Kann Alkohol eine Neuropathie auslösen?

Ja. Wikipedia führt Alkohol zu den Nervengiften, die sekundäre Neuropathien verursachen.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Jonas, Redaktion smarterklärt.de — er erklärt hier Begriffe und Zusammenhänge in einfacher Sprache.


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