Library shelves, City College of New York, February 2008

Was ist FOMO? Bedeutung, Ursachen und was dagegen hilft

Kurzantwort: FOMO ist die Abkürzung für „Fear of Missing Out“, die Angst, etwas zu verpassen. Gemeint ist die Befürchtung, dass andere gerade Erlebnisse, Informationen oder Entscheidungen haben, die das eigene Leben besser machen würden, während man selbst nicht dabei ist. Der Begriff stammt aus dem Jahr 2004 und wurde 2013 in einer Studie der Universität Essex erstmals wissenschaftlich vermessen. FOMO ist keine Krankheit, hängt aber mit Stress, schlechterem Schlaf und intensiver Social-Media-Nutzung zusammen.

Du liegst auf dem Sofa, öffnest Instagram und siehst: Freunde auf einem Konzert, Kollegen in Lissabon, eine Party, zu der du eingeladen warst. Der Abend, der eben noch entspannt war, fühlt sich plötzlich falsch an. Dieses Gefühl hat einen Namen.

FOMO ist älter als das Smartphone. Menschen hatten immer Angst, ausgeschlossen zu sein. Neu ist, dass soziale Netzwerke in Echtzeit zeigen, was alle anderen gerade tun, und zwar in der besten Version. Das macht die Angst dauerhaft abrufbar.

Dieser Text erklärt, woher der Begriff kommt, was die psychologische Forschung dazu herausgefunden hat, wer besonders betroffen ist und was gegen das Gefühl hilft.

Definition: Was FOMO genau meint

Die am häufigsten zitierte Definition stammt von Andrew Przybylski und Kollegen aus dem Jahr 2013: FOMO ist die durchdringende Sorge, dass andere gerade lohnende Erfahrungen machen, bei denen man selbst fehlt, verbunden mit dem Wunsch, ständig in Verbindung zu bleiben, um mitzubekommen, was andere tun.

Zwei Dinge stecken darin. Erstens ein Vergleich: Was andere haben, wirkt wertvoller als das, was man selbst gerade tut. Zweitens ein Verhalten: Man prüft immer wieder, ob man etwas verpasst, meist am Handy. Das eine füttert das andere.

Woher der Begriff kommt

Der Marketingstratege Dan Herman beschrieb das Phänomen Ende der 1990er Jahre in Vorträgen. Die Abkürzung FOMO prägte Patrick J. McGinnis 2004 in einer Kolumne für „The Harbus“, die Studierendenzeitung der Harvard Business School. Im selben Text erfand er FOBO, „Fear of a Better Option“, die Angst, sich festzulegen, weil etwas Besseres kommen könnte.

2013 nahm das Oxford Dictionary FOMO auf. Im selben Jahr erschien die Studie von Przybylski, Murayama, DeHaan und Gladwell in der Fachzeitschrift „Computers in Human Behavior“, die den Begriff in der Psychologie etablierte.

Was die Forschung weiß

Die Studie von 2013 entwickelte einen Fragebogen mit zehn Aussagen, die FOMO-Skala, und prüfte sie an mehreren Stichproben. Drei Ergebnisse haben sich seitdem in vielen Untersuchungen bestätigt:

  • Jüngere Menschen berichten häufiger von FOMO als ältere, Männer etwas häufiger als Frauen.
  • Wer seine psychologischen Grundbedürfnisse nach Kompetenz, Autonomie und Verbundenheit weniger erfüllt sieht, hat höhere FOMO-Werte.
  • Hohe FOMO-Werte gehen mit intensiverer Social-Media-Nutzung einher, auch direkt nach dem Aufwachen, beim Essen und während des Autofahrens.

Spätere Studien fanden Zusammenhänge mit weniger Schlaf, höherem Stress und Müdigkeit. In Umfragen sagten vier von zehn jungen Menschen, dass sie manchmal oder oft FOMO erleben. Wichtig ist die Richtung: Die Daten zeigen Zusammenhänge, keine eindeutige Ursache. Ob Social Media FOMO erzeugt oder Menschen mit FOMO mehr Social Media nutzen, lässt sich aus Befragungen allein nicht klären. Vermutlich gilt beides.

Warum Social Media FOMO verstärkt

Netzwerke zeigen einen Ausschnitt: das Konzert, nicht die Anfahrt; den Strand, nicht den Streit. Wer viele solcher Ausschnitte sieht, überschätzt, wie gut es anderen geht. Dazu kommen Mechanismen, die auf FOMO gebaut sind: Stories, die nach 24 Stunden verschwinden, Live-Videos, Push-Benachrichtigungen, Anzeigen mit Countdown und „nur noch 3 verfügbar“. Marketing nutzt die Angst, etwas zu verpassen, ganz bewusst.

Woran du FOMO erkennst

  • Du prüfst das Handy, sobald du wach bist, und kurz vor dem Einschlafen.
  • Du sagst zu Verabredungen zu, obwohl du keine Lust hast, aus Angst, etwas zu verpassen.
  • Ein ruhiger Abend zu Hause fühlt sich nach dem Blick in den Feed wie verschwendete Zeit an.
  • Du bist bei einer Sache und denkst an eine andere, die gerade woanders läuft.
  • Nach dem Scrollen fühlst du dich schlechter als davor.

Was gegen FOMO hilft

Die Forschung legt zwei Hebel nahe. Der erste ist die Nutzung: Benachrichtigungen ausschalten, feste handyfreie Zeiten, das Handy nachts aus dem Schlafzimmer. Wer den Feed seltener sieht, hat weniger Anlass zum Vergleich.

Der zweite Hebel sind die Grundbedürfnisse, mit denen FOMO zusammenhängt. Verbundenheit entsteht in echten Gesprächen, Kompetenz in Dingen, die man kann, Autonomie in bewussten Entscheidungen. Wer den Abend zu Hause aktiv wählt, verpasst nichts. Er entscheidet. Dafür gibt es inzwischen auch ein Wort: JOMO, „Joy of Missing Out“, die Freude am Verpassen.

Bleibt das Gefühl dauerhaft belastend und kommen Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit oder Angst dazu, ist das ein Fall für eine psychologische Beratung. FOMO selbst ist keine Diagnose, kann aber Teil eines größeren Problems sein.

Häufige Fragen

Wofür steht FOMO?

Für „Fear of Missing Out“, die Angst, etwas zu verpassen. Das Gegenstück JOMO steht für „Joy of Missing Out“.

Ist FOMO eine Krankheit?

Nein. FOMO ist keine anerkannte Diagnose. Es beschreibt ein Gefühl, das mit Stress, Schlafmangel und intensiver Mediennutzung zusammenhängen kann.

Wer hat FOMO erfunden?

Den Begriff prägte Patrick J. McGinnis 2004 an der Harvard Business School. Beschrieben hatte das Phänomen davor der Marketingstratege Dan Herman.

Wer ist am stärksten betroffen?

Laut der Studie von 2013 junge Menschen, besonders junge Männer, und Menschen, die sich wenig verbunden, kompetent oder selbstbestimmt fühlen.

Was ist FOBO?

„Fear of a Better Option“: die Angst, sich festzulegen, weil noch etwas Besseres kommen könnte. Auch dieser Begriff stammt von McGinnis.

Hilft es, Social Media zu löschen?

Weniger Nutzung reduziert die Auslöser. Entscheidender ist, ob du die Zeit mit Dingen füllst, die dir Verbundenheit und Kompetenz geben.

Quellen

Geschrieben von Jonas, Redaktion smarterklärt.de — er erklärt hier Begriffe und Zusammenhänge in einfacher Sprache.


Nach oben scrollen