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Was ist Faschismus? Definition, Merkmale und Geschichte

Kurzantwort: Faschismus ist eine rechtsextreme politische Bewegung und Herrschaftsform, die 1919 in Italien unter Benito Mussolini entstand und dort von 1922 bis 1943 regierte. Kennzeichen sind ein extremer Nationalismus, das Führerprinzip, die Ablehnung von Demokratie, Liberalismus und Kommunismus sowie Gewalt als politisches Mittel. Im weiteren Sinn bezeichnet der Begriff ähnliche Bewegungen in anderen Ländern. In der Umgangssprache wird er oft als Schimpfwort benutzt, was seine Bedeutung verwischt.

Kaum ein politischer Begriff wird so oft benutzt und so selten erklärt. „Faschist“ ist heute ein Vorwurf, den man Gegnern an den Kopf wirft. Historisch war es eine Selbstbezeichnung: Die Anhänger Mussolinis nannten sich stolz Fascisti.

Das Wort kommt vom italienischen fascio, Bund, und geht auf die lateinischen fasces zurück, das Rutenbündel mit Beil, das im antiken Rom Amtsdienern vorangetragen wurde. Das Bündel steht nach dem Politiklexikon der Bundeszentrale für politische Bildung für die Stärke und Überlegenheit des Bundes gegenüber dem Einzelnen.

Dieser Text erklärt, wie der Faschismus in Italien entstand, was ihn ausmacht, wie er sich vom Nationalsozialismus unterscheidet und warum Historiker über den Begriff streiten.

Wie der Faschismus in Italien entstand

Am 23. März 1919 gründete Benito Mussolini in Mailand die Fasci italiani di combattimento, die Italienischen Kampfbünde. Italien hatte den Ersten Weltkrieg gewonnen, fühlte sich aber um Gebietsgewinne betrogen. Dazu kamen Inflation, Streiks und Angst vor einer Revolution nach russischem Vorbild. Die Kampfbünde gingen mit Gewalt gegen Sozialisten und Gewerkschaften vor. 1921 formte Mussolini daraus eine Partei.

Im Oktober 1922 organisierten die Faschisten den Marsch auf Rom. König Viktor Emanuel III. ernannte Mussolini daraufhin zum Ministerpräsidenten. 1925 und 1926 löste Mussolini die demokratischen Institutionen auf, verbot andere Parteien, schaffte die Pressefreiheit ab und errichtete einen Einparteienstaat. 1943, nach militärischen Niederlagen, stürzte ihn der Große Faschistische Rat, 1945 wurde er von Partisanen erschossen.

Merkmale des Faschismus

Forscher und Lexika nennen einen Kern von Merkmalen, die sich bei faschistischen Bewegungen wiederholen:

  • Führerprinzip: eine charismatische, autoritäre Führerfigur, der sich alles unterordnet, verbunden mit Personenkult
  • Extremer Nationalismus: die Nation steht über dem Einzelnen; ihre angebliche Wiedergeburt rechtfertigt jedes Mittel
  • Negative Selbstdefinition: antidemokratisch, antiparlamentarisch, antiliberal, antikommunistisch
  • Gewalt als Mittel: Straßenterror durch Kampfverbände, später staatlicher Terror gegen Gegner
  • Totaler Machtanspruch: Partei, Staat, Wirtschaft, Kultur und Privatleben werden gleichgeschaltet
  • Korporatismus: Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden in staatlich gelenkte Verbände gezwungen, Klassenkampf wird verboten

Der britische Historiker Roger Griffin fasst den Kern als „palingenetischen populistischen Ultranationalismus“ zusammen, also als Mythos von der Wiedergeburt der Nation. Der amerikanische Historiker Robert Paxton beschreibt Faschismus als Form politischen Verhaltens, das von einer obsessiven Beschäftigung mit dem Niedergang und der Demütigung der eigenen Gemeinschaft geprägt ist.

Voraussetzungen für den Aufstieg

Faschistische Bewegungen entstanden nach dem Ersten Weltkrieg in vielen Ländern Europas, aber nur in Italien und Deutschland kamen sie aus eigener Kraft an die Macht. Die Bundeszentrale für politische Bildung nennt zwei Voraussetzungen: die ökonomische Verelendung großer Teile der Bevölkerung und die Auflösung der traditionellen, auch politischen Werteordnung. Dazu kam die Angst des Bürgertums vor dem Kommunismus, die Konservative zur Zusammenarbeit mit den Faschisten bewegte.

Ähnliche Bewegungen gab es unter anderem in Spanien, Ungarn, Rumänien und Kroatien, nach 1945 auch in Südamerika. Wo die Demokratie stabil blieb, etwa in Großbritannien, Frankreich oder Skandinavien, blieben die faschistischen Parteien Randerscheinungen.

Faschismus und Nationalsozialismus

Ob der deutsche Nationalsozialismus eine Form des Faschismus ist, ist in der Wissenschaft umstritten. Gemeinsam sind beiden der Führerkult, die strikte Hierarchie, die Gewalt und die Ablehnung der Demokratie. Der Unterschied liegt im Kern der Ideologie: Der italienische Faschismus war zuerst nationalistisch und staatszentriert, der Nationalsozialismus zuerst rassistisch und antisemitisch. Die systematische Ermordung der europäischen Juden hat im italienischen Faschismus keine Entsprechung, auch wenn Italien ab 1938 Rassengesetze erließ.

In der DDR und in der marxistischen Theorie galt Faschismus als Herrschaftsform des Kapitals in der Krise; der Nationalsozialismus wurde dort meist „Faschismus“ genannt. Die westdeutsche Forschung sprach dagegen von Nationalsozialismus und benutzte Faschismus als Oberbegriff für die italienische Variante und ihre Verwandten.

Der Begriff heute

In der Alltagssprache wird „faschistisch“ oft gesagt, wenn „rechtsextrem“ oder schlicht „autoritär“ gemeint ist. Die Bundeszentrale für politische Bildung bewertet das als unpräzisen Sprachgebrauch. Für die Analyse heutiger Parteien und Regierungen nutzen Politikwissenschaftler meist Begriffe wie Rechtsextremismus, Rechtspopulismus oder Autoritarismus und prüfen im Einzelfall, welche faschistischen Merkmale vorliegen.

Rechtlich ist die Wiederbelebung in beiden Ursprungsländern verboten. In Italien untersagt die Verfassung die Neugründung der faschistischen Partei. In Deutschland verbietet das Strafgesetzbuch die Verwendung nationalsozialistischer Kennzeichen und die Volksverhetzung.

Häufige Fragen

Woher kommt das Wort Faschismus?

Vom italienischen fascio, Bund, und den lateinischen fasces, dem Rutenbündel der römischen Amtsdiener. Mussolinis Bewegung wählte das Bündel als Symbol.

Wann war der Faschismus in Italien an der Macht?

Von Oktober 1922, als Mussolini Ministerpräsident wurde, bis zu seinem Sturz im Juli 1943. Ab 1925 als Einparteiendiktatur.

Ist Faschismus links oder rechts?

Rechts. Faschismus richtete sich mit Gewalt gegen Sozialisten und Kommunisten. Dass Mussolini vor 1914 Sozialist war, ändert daran nichts.

Was ist der Unterschied zwischen Faschismus und Nationalsozialismus?

Der Nationalsozialismus stellte Rassenideologie und Antisemitismus ins Zentrum und führte zum Holocaust. Der italienische Faschismus war zuerst nationalistisch und staatszentriert. Ob beide unter einen Begriff fallen, ist umstritten.

Was bedeutet Antifaschismus?

Der Widerstand gegen faschistische Bewegungen, historisch von Partisanen und Exilgruppen, heute als Sammelbegriff für Engagement gegen Rechtsextremismus.

Gibt es heute noch Faschismus?

Offen faschistische Parteien sind in Europa klein. Ob einzelne rechtsextreme oder autoritäre Bewegungen faschistisch sind, prüfen Forscher anhand der genannten Merkmale, ohne dass es dafür eine einheitliche Antwort gibt.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Jonas, Redaktion smarterklärt.de — er erklärt hier Begriffe und Zusammenhänge in einfacher Sprache.


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