Library shelves iitd

Was ist Gaslighting? Bedeutung, Beispiele und Anzeichen

Kurzantwort: Gaslighting ist eine Form psychischer Manipulation, bei der eine Person eine andere gezielt verunsichert, bis diese ihrer eigenen Wahrnehmung, ihrem Gedächtnis und ihrem Verstand nicht mehr traut. Typisch sind Sätze wie „Das habe ich nie gesagt“, „Das bildest du dir ein“ oder „Du bist zu empfindlich“. Der Begriff stammt aus dem Theaterstück „Gas Light“ von 1938. Gaslighting ist keine medizinische Diagnose, kann aber Angst, Depressionen und Traumafolgen auslösen.

Das Wort hat in wenigen Jahren den Sprung vom Fachbegriff in den Alltag geschafft. Das Wörterbuch Merriam-Webster kürte „gaslighting“ 2022 zum Wort des Jahres. Seitdem wird es so oft benutzt, dass Fachleute vor einer Verwässerung warnen.

Der Kern ist eng gefasst: Es geht um ein Muster, das über längere Zeit die Realität eines Menschen umschreibt. Eine einzelne Lüge oder ein Streit darüber, wer was gesagt hat, ist noch kein Gaslighting.

Dieser Text erklärt, woher der Begriff kommt, wie Gaslighting funktioniert, woran du es erkennst, was es mit Betroffenen macht und wo es Hilfe gibt.

Woher der Begriff kommt

1938 schrieb der britische Autor Patrick Hamilton das Theaterstück „Gas Light“. Darin will ein Ehemann seine Frau in den Wahnsinn treiben, während er heimlich im Haus nach Juwelen sucht. Er versteckt Gegenstände und beschuldigt sie, sie verloren zu haben. Er dimmt heimlich die Gaslampen im Haus und behauptet, das Licht sei gleich hell wie immer. Am Ende zweifelt sie an ihrem Verstand.

Bekannt wurde die Geschichte durch die Verfilmungen von 1940 und vor allem 1944 mit Ingrid Bergman. Als Verb tauchte „gaslighting“ erstmals 1961 schriftlich auf, in den 1990er Jahren nutzte es die Kolumnistin Maureen Dowd in der New York Times. Ab 2016 stiegen die Suchanfragen deutlich, und die American Dialect Society wählte „gaslight“ zum nützlichsten neuen Wort des Jahres.

Wie Gaslighting funktioniert

Gaslighting ist ein Muster aus wiederholten Taktiken, die zusammenwirken:

  • Leugnen: Ereignisse, die stattgefunden haben, werden bestritten. „Das ist nie passiert.“
  • Umdeuten: Gesagtes wird verdreht. „Ich habe das ganz anders gemeint, du hörst nie richtig zu.“
  • Abwerten: Gefühle werden als übertrieben dargestellt. „Du bist hysterisch, du übertreibst immer.“
  • Isolieren: Das Umfeld wird gegen die Person eingespannt oder von ihr ferngehalten. „Deine Freunde finden auch, dass du seltsam bist.“
  • Verwirren: Gegenstände verschwinden, Absprachen ändern sich, die Person wird als vergesslich hingestellt.

Entscheidend ist die Wiederholung. Wer über Monate hört, dass die eigene Erinnerung falsch ist, beginnt irgendwann, dem anderen mehr zu glauben als sich selbst. Die Soziologin Paige Sweet beschreibt in einer Studie von 2019 in der „American Sociological Review“, dass Gaslighting in ungleichen Machtverhältnissen gedeiht und bestehende Abhängigkeiten wie Geld, Wohnung oder soziale Stellung ausnutzt.

Wo Gaslighting vorkommt

Am häufigsten beschrieben ist es in Partnerschaften. Es kommt aber auch zwischen Eltern und Kindern vor, am Arbeitsplatz, wenn Vorgesetzte Zusagen bestreiten oder Fehler umschreiben, in der Medizin, wenn Beschwerden von Patientinnen als eingebildet abgetan werden, und in der Politik, wenn belegte Ereignisse öffentlich geleugnet werden. Nicht jede dieser Verwendungen entspricht dem engen Kern des Begriffs.

Anzeichen bei Betroffenen

  • Du entschuldigst dich ständig, auch wenn du nichts falsch gemacht hast.
  • Du zweifelst an deinem Gedächtnis und schreibst Gespräche heimlich mit.
  • Du fragst dich, ob du zu empfindlich bist.
  • Du triffst keine Entscheidungen mehr, ohne die andere Person zu fragen.
  • Du fühlst dich verwirrt, obwohl du früher klar warst.
  • Du ziehst dich von Freunden und Familie zurück.

Folgen und Abgrenzung

Gaslighting kann Angststörungen, Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen und tiefes Misstrauen gegen die eigene Wahrnehmung auslösen. Es gilt als Form psychischer Gewalt. Eine eigene Diagnose ist es nicht; in den Klassifikationssystemen ICD und DSM kommt der Begriff nicht vor. Er beschreibt das Verhalten des Täters, nicht die Erkrankung des Opfers.

Fachleute wie Robin Stern vom Yale Center for Emotional Intelligence warnen, den Begriff inflationär zu verwenden. Wenn zwei Menschen sich unterschiedlich an ein Gespräch erinnern, ist das normal. Wenn jemand einmal lügt, ist das eine Lüge. Gaslighting beginnt dort, wo jemand systematisch und über Zeit die Realität des anderen umschreibt, um Kontrolle zu gewinnen.

Was du tun kannst

Der erste Schritt ist, die eigene Wahrnehmung zu sichern: Ereignisse mit Datum aufschreiben, Nachrichten aufbewahren, mit einer vertrauten Person außerhalb der Beziehung sprechen. Der zweite Schritt ist Distanz. Diskussionen darüber, was wirklich passiert ist, führen mit einer Person, die gaslightet, zu nichts.

Bei Gewalt in der Partnerschaft hilft das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter 116 016. Es ist kostenlos, rund um die Uhr erreichbar und berät in 18 Sprachen; betrieben wird es vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Männer finden Hilfe bei den Beratungsstellen der Länder und in Psychotherapie. Bei anhaltenden Angst- oder Schlafstörungen ist eine psychotherapeutische Behandlung der richtige Weg.

Häufige Fragen

Woher kommt das Wort Gaslighting?

Aus dem Theaterstück „Gas Light“ von Patrick Hamilton aus dem Jahr 1938 und dem Film von 1944 mit Ingrid Bergman. Der Ehemann dimmt heimlich die Gaslampen und bestreitet es.

Ist Gaslighting strafbar?

Nicht als eigener Tatbestand. Je nach Fall können aber Nötigung, Bedrohung, Nachstellung oder Körperverletzung vorliegen. Eine Beratungsstelle hilft bei der Einordnung.

Machen Gaslighter das mit Absicht?

Oft ja, um Kontrolle zu behalten. Manche haben das Verhalten aber auch selbst gelernt und setzen es ein, ohne es zu benennen. Für die Wirkung auf Betroffene macht das keinen Unterschied.

Wie unterscheide ich Gaslighting von einem normalen Streit?

Am Muster. Im Streit erinnern sich beide unterschiedlich und suchen eine Lösung. Beim Gaslighting bestreitet eine Seite systematisch die Realität der anderen, und das wiederholt sich.

Ist Gaslighting eine psychische Erkrankung?

Nein. Es ist ein Verhaltensmuster, keine Diagnose. Bei Betroffenen kann es aber zu Angststörungen und Depressionen führen.

Wo bekomme ich Hilfe?

Beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter 116 016, bei Beratungsstellen vor Ort und in der Psychotherapie.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Jonas, Redaktion smarterklärt.de — er erklärt hier Begriffe und Zusammenhänge in einfacher Sprache.


Nach oben scrollen