Inhalt
Kurzantwort: CSD ist die Abkürzung für Christopher Street Day. So heißen im deutschsprachigen Raum die Demonstrationen und Straßenfeste, bei denen Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche sowie queere Menschen für ihre Rechte und gegen Diskriminierung auf die Straße gehen. Der Name erinnert an den Aufstand in der Christopher Street in New York am 28. Juni 1969. In Deutschland fand der erste CSD laut Wikipedia am 30. Juni 1979 statt, heute gibt es jedes Jahr Veranstaltungen in über 150 Städten.
Regenbogenfahnen, Wagen mit Musik, Reden vor dem Rathaus: Zwischen Frühjahr und Herbst gibt es in Deutschland fast jedes Wochenende irgendwo einen CSD. Für Außenstehende sieht das aus wie eine Parade. Der Ursprung ist ein Polizeieinsatz, der eskalierte.
Hier liest du, wofür CSD steht, was 1969 in New York passierte, warum der Begriff nur im deutschsprachigen Raum verwendet wird, wie sich die Veranstaltungen in Deutschland entwickelt haben und was politisch dahintersteht.
Die Definition
Wikipedia beschreibt den Christopher Street Day als Fest-, Gedenk- und Demonstrationstag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen sowie queeren Menschen, kurz LSBTIQ. Die Teilnehmenden demonstrieren für die Rechte dieser Gruppen und gegen Diskriminierung und Ausgrenzung.
Ein CSD hat meist zwei Teile. Der erste ist eine angemeldete Demonstration, oft mit Wagen und Fußgruppen, die durch die Innenstadt zieht. Der zweite ist ein Straßenfest mit Bühne, Ständen und Kundgebung. Rechtlich ist der Demonstrationszug eine Versammlung nach dem Versammlungsgesetz, mit Anmeldung, Ordnern und Polizeischutz.
Was 1969 in der Christopher Street passierte
In der Nacht zum 28. Juni 1969 durchsuchte die Polizei das Stonewall Inn, eine Bar in der Christopher Street im New Yorker Stadtteil Greenwich Village. Solche Razzien in Lokalen für Homosexuelle waren damals üblich. Diesmal wehrten sich die Gäste, darunter laut Wikipedia Dragqueens, trans Frauen und Schwarze und lateinamerikanische Besucher. Es kam zu mehrtägigen Auseinandersetzungen auf der Straße.
Der Stonewall-Aufstand gilt als Wendepunkt der Bewegung. Ein Jahr später, im Juni 1970, zogen in New York erstmals Menschen in einem Gedenkmarsch durch die Stadt. Daraus entstand die Tradition, jedes Jahr im Sommer an den Aufstand zu erinnern.
Warum es nur hier CSD heißt
Der Name Christopher Street Day wird laut Wikipedia fast nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz benutzt. In den USA, Großbritannien und den meisten anderen Ländern heißen die Veranstaltungen Pride oder Gay Pride, in vielen Ländern auch Pride Parade.
Der Unterschied ist historisch gewachsen. Als die ersten Veranstaltungen in Deutschland geplant wurden, wählten die Organisatoren den Bezug auf den Ort des Aufstands. Inzwischen taucht auch hierzulande das Wort Pride auf, etwa bei Cologne Pride oder Hamburg Pride, meist neben dem alten Namen.
Die Geschichte in Deutschland
Die erste Aktion in der Tradition des Stonewall-Aufstands fand laut Wikipedia am 29. April 1972 in Münster statt. Die eigentlichen CSDs begannen am 30. Juni 1979, zum zehnten Jahrestag, gleichzeitig in Berlin und Bremen. In Berlin gingen rund 450 Menschen auf die Straße.
Der Hintergrund: Bis 1969 stellte der Paragraf 175 des Strafgesetzbuchs sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe. 1969 wurde er entschärft, vollständig gestrichen wurde er erst 1994. Die frühen CSDs richteten sich gegen diesen Paragrafen und gegen die gesellschaftliche Ächtung.
Seither ist die Bewegung gewachsen. Wikipedia nennt heute über 150 Städte in Deutschland mit jährlichen CSD-Veranstaltungen, von Großstädten bis zu Kleinstädten mit wenigen hundert Teilnehmenden. Die größten sind Köln, Berlin und Hamburg. Als Köln 2002 die Europride ausrichtete, kamen laut deutscher Wikipedia 1,2 Millionen Menschen, die englische Version nennt 1,4 Millionen. Damit übertraf die Veranstaltung erstmals den Rosenmontagszug.
Wann CSDs stattfinden
Der eigentliche Gedenktag ist der 28. Juni. Weil sich über hundert Städte nicht denselben Tag teilen können, verteilen sich die Termine laut Wikipedia auf die Monate April bis Oktober. Die Saison beginnt in wärmeren Regionen im Frühjahr und endet im Herbst. Berlin feiert traditionell im Juli, Köln meist Anfang Juli, Hamburg im August.
Der Ablauf ist meist gleich: Die Demonstration startet mittags, zieht einige Kilometer durch die Innenstadt und endet an einer Bühne mit Kundgebung. Viele Städte hängen ein Straßenfest an, das bis in die Nacht geht. Dazu kommen Podiumsdiskussionen, Filmvorführungen und Gottesdienste in den Tagen davor.
Was politisch dahintersteht
Ein CSD ist eine Demonstration mit Forderungen. Sie haben sich über die Jahrzehnte verändert. In den 1980er-Jahren ging es um die Abschaffung des Paragrafen 175 und um Aufklärung zu Aids. In den 2000er-Jahren um die eingetragene Lebenspartnerschaft und später um die Ehe für alle, die seit dem 1. Oktober 2017 gilt.
Heutige Forderungen betreffen laut den Aufrufen vieler Veranstalter unter anderem den Schutz vor Gewalt, die Rechte von trans- und intergeschlechtlichen Menschen und die Aufnahme des Merkmals sexuelle Identität in Artikel 3 des Grundgesetzes. Der Dachverband CSD Deutschland e.V. vernetzt die Veranstalter.
Zugleich ist der CSD ein Fest. Beides gehört zusammen: Sichtbarkeit ist Teil der politischen Botschaft.
Häufige Fragen
Wofür steht CSD?
Für Christopher Street Day, benannt nach der Straße in New York, in der 1969 der Stonewall-Aufstand begann.
Ist CSD dasselbe wie Pride?
Ja. CSD ist der deutschsprachige Name, Pride der international übliche.
Wann ist der Christopher Street Day?
Der Gedenktag ist der 28. Juni. Die Veranstaltungen verteilen sich von April bis Oktober, je nach Stadt.
Wer darf beim CSD mitlaufen?
Alle. CSDs sind öffentliche Demonstrationen. Wer mit einem Wagen oder einer Gruppe teilnehmen will, meldet sich beim Veranstalter an.
Wo war der erste CSD in Deutschland?
Am 30. Juni 1979 gleichzeitig in Berlin und Bremen, in Berlin mit rund 450 Teilnehmenden.
Warum gibt es den CSD noch, wenn die Ehe für alle gilt?
Weil Diskriminierung und Gewalt weiter vorkommen und weitere Forderungen offen sind, etwa die Ergänzung von Artikel 3 des Grundgesetzes.
Quellen
- Wikipedia (deutsch) – Christopher Street Day
- Wikipedia (englisch) – Christopher Street Day
- Wikipedia – Stonewall-Aufstand
- CSD Deutschland e.V.
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Was ist MS? Multiple Sklerose einfach erklärt, mit Zahlen
- Was ist Cortisol? Das Stresshormon einfach erklärt, mit Zahlen
- Was ist COPD? Definition, Symptome, Stadien und Zahlen erklärt
Geschrieben von Jonas, Redaktion smarterklärt.de — er erklärt hier Begriffe und Zusammenhänge in einfacher Sprache.







