Book shelves with flags, Newquay Library, Cornwall - June 2022

Unterschied zwischen Yoga und Pilates: Tabelle mit 8 Kriterien

Aktualisiert am 17.10.2026 · Lesezeit 5 Min.

Titelbild: „Book shelves with flags, Newquay Library, Cornwall – June 2022“ von Mutney · CC BY-SA 4.0 · via Wikimedia Commons · zugeschnitten

Kurzantwort: Yoga ist eine aus Indien stammende Lehre mit geistigen und körperlichen Übungen, deren Wurzeln bis etwa 700 vor Christus reichen. Pilates ist ein systematisches Ganzkörpertraining, das Joseph Hubertus Pilates (1883 bis 1967) entwickelte und „Contrology“ nannte. Yoga verbindet Körperhaltungen mit Atemführung und Meditation. Pilates konzentriert sich auf die tiefe Rumpfmuskulatur, das „Powerhouse“, mit kontrollierten, fließenden Bewegungen.

Beide Kurse laufen auf Matten, beide arbeiten mit Atmung, beide versprechen einen starken Rücken. Trotzdem sind Yoga und Pilates zwei verschiedene Dinge mit verschiedener Herkunft, verschiedenem Ziel und verschiedener Geschichte.

Yoga ist Jahrtausende alt und war ursprünglich ein Weg zur Beherrschung von Sinnen und Gedanken. Die Körperübungen kamen später dazu. Pilates ist rund hundert Jahre alt und war von Anfang an ein Trainingssystem, entwickelt von einem Boxer und Selbstverteidigungslehrer.

Hier findest du die Unterschiede in einer Tabelle, die Herkunft beider Methoden, die Prinzipien, die Frage nach dem Nutzen und die Regeln der Krankenkassen.

Yoga und Pilates in der Tabelle

Kriterium Yoga Pilates
Herkunft Indien, älteste Aufzeichnungen in den Upanishaden um 700 v. Chr. Deutschland und USA, entwickelt in den 1910er- bis 1920er-Jahren
Begründer Kein einzelner; Patanjali fasste die Lehre im Yogasutra zusammen Joseph Hubertus Pilates, geboren 1883 in Mönchengladbach
Ursprüngliches Ziel Kontrolle von Sinnen und Gedanken, Vorbereitung auf Meditation Körperliche Fitness, Rehabilitation, Haltung
Kernprinzip Achtgliedriger Pfad: unter anderem Asanas, Pranayama, Meditation Sechs Prinzipien: Konzentration, Kontrolle, Zentrierung, Fluss, Präzision, Atmung
Körperlicher Fokus Haltungen halten, Dehnung, Gleichgewicht Tiefe Rumpfmuskulatur, das „Powerhouse“
Geräte Matte, Blöcke, Gurte Matte oder fünf klassische Geräte: Reformer, Cadillac, Chair, Barrel, Spine Corrector
Geistige Komponente Zentral, mit Meditation und Philosophie Konzentration auf die Bewegung, keine spirituelle Lehre
Verbreitung in Deutschland 3,4 Millionen regelmäßig, weitere 8 Millionen gelegentlich (Allensbach) Keine vergleichbare Zahl belegt

Woher Yoga kommt

Yoga ist laut Wikipedia eine aus Indien stammende philosophische Lehre mit geistigen und körperlichen Übungen. Das Wort stammt aus dem Sanskrit und bedeutete ursprünglich das „Anjochen“ von Zugtieren. Übertragen meint es die Kontrolle über Sinne und Gedanken.

Die ältesten Aufzeichnungen finden sich in den Upanishaden um 700 vor Christus. Zwischen dem 2. Jahrhundert vor und dem 4. Jahrhundert nach Christus fasste Patanjali die Lehre im Yogasutra zusammen, 194 kurzen Merksprüchen in vier Büchern. Daraus stammt der achtgliedrige Pfad mit Verhaltensregeln, Körperhaltungen (Asanas), Atemübungen (Pranayama), Rückzug der Sinne, Konzentration, Meditation und Versenkung.

Das körperbetonte Hatha-Yoga, das heute in den meisten Kursen unterrichtet wird, entstand erst im 13. und 14. Jahrhundert. Es nutzt Asanas und Pranayama, um den Körper auf die Meditation vorzubereiten.

Woher Pilates kommt

Joseph Hubertus Pilates wurde am 9. Dezember 1883 in Mönchengladbach geboren und starb am 9. Oktober 1967 in New York. Als Kind war er kränklich, trainierte sich hoch und arbeitete später in England als Boxer, Zirkusartist und Selbstverteidigungslehrer. Im Ersten Weltkrieg wurde er dort interniert, in Lancaster Castle und im Lager Knockaloe auf der Isle of Man. In dieser Zeit verfeinerte er sein System, das er „Contrology“ nannte.

Um 1925 wanderte er in die USA aus. Sein Studio in New York zog Tänzer wie George Balanchine und Martha Graham an, die ihre Schüler zum Training und zur Rehabilitation schickten. 1945 erschien sein Buch „Return to Life Through Contrology“. Er hielt über 26 Patente auf Trainingsgeräte.

Er selbst sprach von Contrology, der Kontrolle des Geistes über die Muskeln und der Ausrichtung der Wirbelsäule.

Die Prinzipien im Vergleich

Pilates arbeitet mit sechs Prinzipien: Konzentration, Kontrolle, Zentrierung, fließende Bewegung, Präzision und Atmung. Grundlage aller Übungen ist das „Powerhouse“, die tiefe Muskulatur rund um die Wirbelsäule. Die Bewegungen sind langsam und fließend, damit die Gelenke geschont werden und du spürst, was dein Körper tut. Trainiert wird auf der Matte oder an Geräten, von denen Joseph Pilates fünf klassische entwarf: Reformer, Cadillac, Chair, Barrel und Spine Corrector.

Yoga arbeitet mit dem achtgliedrigen Pfad. Die Asanas sind nur ein Glied davon. Dazu kommen Atemübungen, die Sammlung der Aufmerksamkeit und Meditation. Wer Yoga nur als Gymnastik betreibt, nutzt einen kleinen Teil der Lehre. Wer Pilates betreibt, nutzt die ganze Methode, weil sie nie mehr sein wollte als Training.

Bei der Atmung unterscheiden sich beide ebenfalls. Im Yoga ist die Atemführung eine eigene Übung. Im Pilates begleitet die Atmung die Bewegung und stützt die Rumpfspannung.

Was belegt ist und was nicht

Für Pilates fand ein Bericht des australischen Gesundheitsministeriums 2022 laut Wikipedia, dass die Methode Schmerzen im unteren Rücken „wahrscheinlich“ verringert. Die Belege gelten aber als schwach, die Stärke des Effekts ist unsicher.

Für Yoga nennt Wikipedia mögliche Linderung bei Beschwerden wie Schlafstörungen und Kopfschmerzen, weist aber darauf hin, dass der Abschnitt nicht ausreichend belegt ist. Beides sind vorsichtige Aussagen, keine Heilversprechen.

Ein praktischer Hinweis zur Qualität: Die Bezeichnung „Pilates-Trainer“ ist laut Wikipedia nicht geschützt. Wer unterrichtet, kann eine lange oder eine sehr kurze Ausbildung haben. Frag nach, bevor du buchst.

Was die Krankenkasse zahlt

Yoga-Kurse können nach § 20 Abs. 1 und 2 SGB V als Präventionsangebot von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst werden, wie Wikipedia festhält. Voraussetzung ist, dass der Kurs als Präventionskurs zertifiziert ist. Ob ein konkreter Pilates- oder Yoga-Kurs dazugehört, erfährst du bei deiner Kasse oder beim Anbieter, der die Zertifizierung vorweisen muss.

Häufige Fragen

Was ist besser für den Rücken?

Für Pilates gibt es einen Hinweis aus einem australischen Bericht von 2022, dass es Schmerzen im unteren Rücken wahrscheinlich verringert, mit schwacher Beleglage. Für Yoga fehlt ein vergleichbar klarer Beleg.

Ist Pilates aus Yoga entstanden?

Nein. Joseph Pilates entwickelte sein System während des Ersten Weltkriegs als eigenes Training und nannte es Contrology.

Wie alt sind beide Methoden?

Yoga reicht mit den Upanishaden bis um 700 vor Christus zurück. Pilates entstand während des Ersten Weltkriegs und wurde ab etwa 1925 in New York unterrichtet.

Was ist das Powerhouse?

Der Begriff aus dem Pilates für die tiefe Muskulatur rund um die Wirbelsäule, die bei jeder Übung angespannt bleibt.

Brauche ich für Pilates Geräte?

Nein. Das Mattentraining kommt ohne aus. Die fünf klassischen Geräte wie der Reformer unterstützen die Ausführung, sind aber keine Voraussetzung.

Zahlt die Krankenkasse Yoga?

Zertifizierte Präventionskurse können nach § 20 SGB V bezuschusst werden. Die Bedingungen legt die jeweilige Kasse fest.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Susanne Bork fuer smarterklärt.de. Strittige Faelle werden als strittig gekennzeichnet.


Nach oben scrollen
Gelistet bei TopBlogs