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Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten
Ein Mullah ist ein islamischer Geistlicher, meist ein Religions- und Rechtsgelehrter oder Vorbeter. Das Wort geht auf das arabische mawlā zurück, das „Herr“, „Meister“ oder „Schutzherr“ bedeutet. Im Deutschen steht „Mullah“ vor allem für schiitische Geistliche im Iran und für Religionslehrer in Afghanistan und Südasien.
Das Wichtigste in Kürze
- Mullah ist ein Ehrentitel für islamische Religions- und Rechtsgelehrte.
- Herkunft: arabisch mawlā über persisch mollā und türkisch molla.
- Grammatik: der Mullah, des Mullahs, die Mullahs.
- Ein Mullah steht in der schiitischen Rangfolge unter dem Ajatollah.
Mullah Bedeutung laut Wörterbuch
Der Duden nennt zwei Bedeutungen. Erstens ist Mullah ein Ehrentitel für islamische Rechts- oder Religionslehrer. Zweitens bezeichnet das Wort eine Person, die diesen Titel trägt. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) ergänzt eine regionale Verwendung: In manchen Ländern heißt jeder islamische Geistliche Mullah.
Wikipedia beschreibt den Begriff als informellen Titel. Er gilt für Gelehrte mit langer Ausbildung ebenso wie für den Vorbeter eines Dorfes. Ein bestimmter Abschluss ist nicht nötig.
Kurzantwort: Mullah bedeutet so viel wie „Herr“ oder „Lehrer“ und bezeichnet einen islamischen Geistlichen. Das Wort ist ein Titel und kein festes Amt.
Herkunft des Wortes Mullah
Das Wort hat einen langen Weg hinter sich. Der Duden gibt diese Kette an:
- Arabisch: al-mawlā, „Schutzherr, Herr“
- Persisch: mollā
- Türkisch: molla
- Deutsch: Mullah, seltener Mulla
Die arabische Wurzel steckt auch in der Anrede mawlānā, „unser Herr“. Sie wurde für Gelehrte und Mystiker benutzt. Der persische Dichter Rumi ist bis heute als Maulana bekannt.
Rechtschreibung und Grammatik
Die Tabelle zeigt die wichtigsten Formen.
| Merkmal | Form |
|---|---|
| Artikel | der Mullah |
| Genitiv | des Mullahs |
| Plural | die Mullahs, seltener die Mullas |
| Nebenform | Mulla, Molla |
| Worttrennung | Mul-lah |
Eine eigene weibliche Form hat sich im Deutschen nicht durchgesetzt.
Was macht ein Mullah?
Die Aufgaben hängen stark vom Land und von der Gemeinde ab. Typisch sind:
- das Gebet in der Moschee leiten
- den Koran lehren, oft an Kinder
- Fragen zum islamischen Recht beantworten
- Ehen schließen und Trauerfeiern begleiten
- in Streitfällen vermitteln
Laut Wikipedia war der Mullah auf dem Land lange die einzige Person, die lesen und schreiben konnte. Er war damit ein wichtiges Bindeglied zwischen Dorf und Außenwelt.
Mullah, Imam, Ajatollah: die Unterschiede
Die Begriffe werden oft vermischt. Sie meinen aber verschiedene Dinge.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Mullah | Allgemeiner Titel für Geistliche und Gelehrte |
| Imam | Vorbeter einer Moschee, bei Schiiten auch Titel der zwölf Nachfolger Mohammeds |
| Mufti | Gelehrter, der Rechtsgutachten (Fatwas) erstellt |
| Hodschatoleslam | Mittlerer schiitischer Rang, „Beweis des Islam“ |
| Ajatollah | Hoher schiitischer Rang, „Zeichen Gottes“ |
| Großajatollah | Höchster Gelehrtenrang, oft zugleich Mardschaʿ-e Taghlid (Vorbild der Nachahmung) |
Wikipedia nennt für den Iran im Jahr 2004 rund 227.000 Geistliche. Darunter waren 14 Großajatollahs, etwa 5.000 Ajatollahs und rund 28.000 Hodschatoleslams. Die große Mehrheit trägt also keinen hohen Rang.
Kurzantwort: Jeder Ajatollah ist auch ein Mullah im weiten Sinn. Umgekehrt ist ein einfacher Mullah noch lange kein Ajatollah.
Der Begriff „Mullah-Regime“
In deutschen Medien taucht das Wort oft in der Verbindung „Mullah-Regime“ oder „Mullahs in Teheran“ auf. Gemeint ist die Staatsführung der Islamischen Republik Iran. Seit der Revolution von 1979 hat dort ein Geistlicher als Revolutionsführer das letzte Wort. Wikipedia weist darauf hin, dass der Begriff dadurch im Westen einen abwertenden Klang bekam. Tatsächlich arbeitet nur ein kleiner Teil der iranischen Geistlichen im Staatsapparat. Für die politische Einordnung hilft ein Blick auf den Unterschied zwischen Republik und Demokratie.
Auch in Afghanistan ist der Titel verbreitet. Der Gründer der Taliban, Mohammed Omar, war weltweit als Mullah Omar bekannt.
Wie Mullah in deutschen Texten auftaucht
Die Belege im DWDS zeigen ein klares Muster. Das Wort steht in Zeitungstexten meist neben Beiwörtern wie „iranisch“, „schiitisch“ oder „fundamentalistisch“. Oft erscheint es in einem Atemzug mit den Ajatollahs. Viele Belege stammen aus der Zeit nach der Revolution von 1979. Das Wort ist damit stark an die Berichterstattung über den Iran gebunden. Wer neutral schreiben möchte, nennt besser den konkreten Rang oder spricht allgemein von Geistlichen. So bleibt klar, wer gemeint ist.
Mullah im Alltag und in Geschichten
Nicht jede Verwendung ist politisch. In vielen Ländern von der Türkei bis Zentralasien kennt man Geschichten über Nasreddin. Die Figur heißt im persischen Raum Mulla Nasreddin und in der Türkei Nasreddin Hoca. Er ist ein listiger Schelm, der mit verdrehter Logik die Mächtigen vorführt. Hier zeigt der Titel eine ganz andere Seite: den volkstümlichen, halb gelehrten Dorfweisen.
Wer Wörter aus dem Arabischen und Türkischen im deutschen Alltag verstehen möchte, findet ähnliche Erklärungen zu Almanci und Dayyuth.
Fazit
Mullah ist ein Titel mit arabischen Wurzeln. Er bezeichnet islamische Geistliche vom einfachen Dorflehrer bis zum hohen Gelehrten. In der schiitischen Hierarchie steht der Begriff für die breite Basis. Ajatollahs und Großajatollahs bilden die Spitze. Im deutschen Sprachgebrauch prägt vor allem der Iran das Bild. Der ursprüngliche Sinn ist aber schlicht „Herr“ oder „Lehrer“.
FAQ – Häufige Fragen
Was bedeutet Mullah auf Deutsch?
Wörtlich etwa „Herr“ oder „Schutzherr“. Im Gebrauch steht es für einen islamischen Geistlichen oder Gelehrten.
Aus welcher Sprache stammt das Wort Mullah?
Aus dem Arabischen. Über das Persische und Türkische kam es ins Deutsche.
Wie lautet der Plural von Mullah?
Die Mullahs. Seltener ist die Form Mullas.
Heißt es Mullah oder Mulla?
Beides ist korrekt. Der Duden führt Mullah als Hauptform und Mulla als Nebenform.
Ist ein Mullah dasselbe wie ein Imam?
Nicht ganz. Ein Imam leitet das Gebet. Mullah ist ein breiterer Titel für Geistliche und Gelehrte.
Welcher Rang steht über dem Mullah?
Bei den Schiiten folgen Hodschatoleslam, Ajatollah und Großajatollah.
Gibt es Mullahs auch im sunnitischen Islam?
Ja. Vor allem in Afghanistan, Pakistan und Zentralasien ist der Titel verbreitet.
Was ist mit Mullah-Regime gemeint?
Die geistlich geführte Staatsführung des Iran seit 1979. Der Ausdruck ist politisch wertend.
Wer war Mullah Omar?
Mohammed Omar war Gründer und Anführer der afghanischen Taliban.
Wer ist Mulla Nasreddin?
Eine Schelmenfigur aus Volkserzählungen des Orients, in der Türkei als Nasreddin Hoca bekannt.
Quellen

Nico probiert Apps und Geräte aus, bevor er sie empfiehlt, und schreibt über Tastenkürzel, Einstellungen und Abkürzungen im Alltag.






