Book shelves on the top floor of the Chifley Library August 2026

Unterschied zwischen Wetter und Klima: Tabelle, DWD-Definition

Aktualisiert am 17.10.2026 · Lesezeit 5 Min.

Titelbild: „Book shelves on the top floor of the Chifley Library August 2026“ von Nick-D · CC BY-SA 4.0 · via Wikimedia Commons · zugeschnitten

Kurzantwort: Wetter ist der Zustand der Atmosphäre an einem Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt, also Stunden bis wenige Tage. Klima ist die statistische Zusammenfassung des Wetters über einen langen Zeitraum, nach Vorgabe der Weltorganisation für Meteorologie über 30 Jahre. Ein kalter Tag sagt nichts über das Klima. Die aktuelle Referenzperiode ist 1991 bis 2020.

Es schneit im April, und jemand sagt: „So viel zum Klimawandel.“ Der Satz verwechselt zwei Dinge. Der Schnee ist Wetter. Der Klimawandel ist eine Aussage über den Durchschnitt vieler Jahre.

Beide Begriffe beschreiben dieselbe Atmosphäre, nur auf verschiedenen Zeitskalen. Das Wetter erlebst du. Das Klima rechnest du aus. Dazwischen liegt noch die Witterung, das Wetter über ein paar Tage bis Wochen.

Hier findest du die Unterschiede in einer Tabelle, die Definitionen des Deutschen Wetterdienstes, die Regel mit den 30 Jahren und ein Beispiel aus dem Sommer 2026.

Wetter und Klima in der Tabelle

Kriterium Wetter Klima
Definition DWD Physikalischer Zustand der Atmosphäre zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem Ort Zusammenfassung der Wettererscheinungen, die den mittleren Zustand der Atmosphäre an einem Ort charakterisieren
Zeitraum Stunden bis wenige Tage Mindestens 30 Jahre
Leitfrage Was ziehe ich heute an? Was wächst hier, wie baue ich hier?
Messgrößen Temperatur, Luftdruck, Feuchte, Wind, Bewölkung, Niederschlag, Sicht Dieselben Größen, ausgewertet als Mittelwerte, Häufigkeiten und Extreme
Erfassung Beobachtung und Messung Statistik über lange Messreihen
Veränderlichkeit Kann sich mehrmals am Tag ändern Ändert sich über Jahrzehnte
Vorhersage Wetterbericht für Tage Klimaprojektionen für Jahrzehnte
Beispiel 27. Juni 2026: 41,8 °C in Möckern-Drewitz Sommermittel 1961 bis 1990: 16,3 °C

Was Wetter ist

Der Deutsche Wetterdienst definiert Wetter als „der physikalische Zustand der Atmosphäre zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem auch kürzeren Zeitraum an einem bestimmten Ort oder in einem Gebiet“. Das Wetter spielt sich in der Troposphäre ab, der untersten Schicht der Atmosphäre. Höher oben gibt es zwar Wind und Temperatur, aber praktisch keine Feuchte und damit kein Wetter im eigentlichen Sinn.

Beschrieben wird das Wetter durch messbare Wetterelemente: Lufttemperatur, Luftfeuchte, Luftdruck, Windrichtung, Windgeschwindigkeit, Bewölkung, Niederschlag und Sichtweite. Die Ursache für all das ist laut DWD die ungleiche Erwärmung der Erdoberfläche, abhängig von geografischer Breite, Höhe, Verteilung von Land und Meer und Gelände.

Wetter ist kurzlebig. Wikipedia beschreibt es als spürbaren, kurzfristigen Zustand, der sich mehrmals am Tag ändern kann.

Was Klima ist

Das DWD-Lexikon definiert Klima als „die Zusammenfassung der Wettererscheinungen, die den mittleren Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort oder in einem mehr oder weniger großen Gebiet charakterisieren“. Dargestellt wird es durch statistische Kennwerte: Mittelwerte, Extremwerte und Häufigkeiten über einen ausreichend langen Zeitraum.

Der Weltklimarat IPCC formuliert es ähnlich: Klima im engeren Sinn ist das durchschnittliche Wetter, genauer die statistische Beschreibung von Durchschnitt und Variabilität relevanter Größen über Monate bis zu Tausenden oder Millionen Jahren.

Klima hat also keinen Zeitpunkt. Es ist eine Rechengröße. Niemand steht im Klima, jeder steht im Wetter.

Die Regel mit den 30 Jahren

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) empfiehlt 30-jährige Normalperioden. Bis 2020 war die Periode 1961 bis 1990 der Standard. Seit 2021 gilt 1991 bis 2020 als aktuelle Referenzperiode. Für Vergleiche werden je nach Zweck auch 1971 bis 2000 oder 1981 bis 2010 benutzt.

Warum 30 Jahre? Weil einzelne Jahre stark schwanken. Ein extrem kalter Winter oder ein Rekordsommer soll den Durchschnitt nicht kippen. Erst über drei Jahrzehnte gleichen sich die Ausreißer so weit aus, dass der Mittelwert das typische Wetter eines Ortes beschreibt.

Der DWD nutzt in seinen Monatsbilanzen bis heute beide Perioden nebeneinander. Der Vergleich mit 1961 bis 1990 zeigt die langfristige Erwärmung, der Vergleich mit 1991 bis 2020 die Abweichung vom heute Üblichen.

Beispiel: Der Sommer 2026

Am 31. August 2026 meldete der DWD für den Sommer 2026 eine Mitteltemperatur von 19,6 °C in Deutschland. Die Referenz 1961 bis 1990 liegt für den Sommer bei 16,3 °C, die Abweichung beträgt also 3,3 Grad. Am 27. Juni wurden in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt 41,8 °C gemessen. Der Niederschlag lag mit rund 171 Litern pro Quadratmeter bei 72 Prozent des Solls von 239 Litern.

Die 41,8 °C an einem Tag sind Wetter. Die 16,3 °C sind Klima, nämlich der Durchschnitt aus 30 Sommern. Die 19,6 °C sind etwas dazwischen: die Witterung einer Jahreszeit, verglichen mit dem Klima. Erst wenn viele Sommer nacheinander deutlich über der Referenz liegen, verschiebt sich das Klima selbst.

Witterung: Die Stufe dazwischen

Wikipedia unterscheidet vier Begriffe. Wetter: Stunden bis Tage an einem Ort. Wetterlage: der Zustand über ein größeres Gebiet von Tag zu Tag. Witterung: der Charakter des Wetters über Tage bis Wochen, selten einen Monat oder eine Jahreszeit. Klima: Jahre bis Jahrzehnte.

Im Alltag reicht die Faustregel: Ein Tag ist Wetter. Ein Monat ist Witterung. 30 Jahre sind Klima.

Häufige Fragen

Beweist ein kalter Winter, dass es keinen Klimawandel gibt?

Nein. Ein Winter ist Witterung. Klima ist der Durchschnitt über 30 Jahre. Ein einzelner kalter Winter ändert diesen Durchschnitt kaum.

Warum gerade 30 Jahre?

Das ist die Empfehlung der WMO. Über 30 Jahre gleichen sich einzelne Extremjahre so weit aus, dass der Mittelwert das typische Wetter beschreibt.

Welche Referenzperiode gilt aktuell?

1991 bis 2020. Sie hat 2021 die Periode 1961 bis 1990 abgelöst. Der DWD nennt in Bilanzen oft beide.

Was ist der Unterschied zwischen Witterung und Wetter?

Wetter ist der Zustand jetzt, Witterung der Charakter des Wetters über mehrere Tage bis Wochen, etwa „nasskalte Witterung im November“.

Welche Größen gehören zum Wetter?

Lufttemperatur, Luftfeuchte, Luftdruck, Windrichtung, Windgeschwindigkeit, Bewölkung, Niederschlag und Sichtweite.

Wo findet das Wetter statt?

In der Troposphäre, der untersten Atmosphärenschicht. Laut Wikipedia reicht sie etwa 8 bis 15 Kilometer hoch, das meiste Wetter spielt sich in den unteren 2 Kilometern ab.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

David Lenk erklaert fuer smarterklärt.de Zusammenhaenge, ohne sie zu vereinfachen.


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