Unterschied zwischen objektiv und subjektiv erklärt

Kurzantwort: Objektiv heißt: unabhängig von der Person, die urteilt, und für andere nachprüfbar. Subjektiv heißt: geprägt vom Standpunkt, Empfinden oder Interesse einer einzelnen Person. Beide Wörter stammen aus dem Lateinischen. „Obiectum“ ist das Entgegengeworfene, also der Gegenstand, „subiectum“ das Daruntergeworfene, also das urteilende Ich.

Der Satz „Das ist doch subjektiv“ fällt meist im Streit. Gemeint ist dann: Das gilt nur für dich.

Die beiden Wörter beschreiben zwei Blickrichtungen. Einmal geht der Blick auf die Sache, einmal auf die Person, die hinschaut.

Hier stehen die Bedeutungen, ein einfacher Test für den Alltag und die Verwendung in Wissenschaft und Recht.

Woher die beiden Wörter kommen

Beide gehen auf lateinische Begriffe zurück. „Obiectum“ heißt wörtlich das Entgegengeworfene, „subiectum“ das Daruntergeworfene.

Im heutigen Gebrauch ist das Objekt der Gegenstand, um den es geht. Das Subjekt ist die Person, die wahrnimmt, urteilt und handelt.

Diese Zuordnung ist jünger als die Wörter selbst. In der mittelalterlichen Philosophie war es umgekehrt: „objektiv“ bezeichnete das, was nur in der Vorstellung existiert, „subjektiv“ das, was einer Sache tatsächlich zukommt.

Die Umkehrung setzte sich in der Neuzeit durch. Seit Kant steht das Subjekt für das erkennende Ich und das Objekt für den Gegenstand der Erkenntnis.

Ein Rest der alten Wortbedeutung steckt in der Fotografie. Das Objektiv einer Kamera heißt so, weil es die dem Objekt zugewandte Linse ist. Das Okular am Mikroskop ist entsprechend die dem Auge zugewandte Seite.

Was eine Aussage objektiv macht

Eine objektive Aussage lässt sich überprüfen. Wer sie prüft, spielt keine Rolle, das Ergebnis bleibt gleich.

„Der Turm ist 42 Meter hoch“ ist objektiv. Zwei Menschen mit demselben Messgerät kommen zum selben Wert.

„Der Turm ist zu hoch“ ist subjektiv. Der Satz enthält eine Bewertung, die vom Maßstab des Sprechers abhängt.

Fachlich heißt dieses Kriterium intersubjektive Nachprüfbarkeit. Eine Aussage gilt als objektiv, wenn unabhängige Beobachter zu denselben Feststellungen gelangen.

Vollständige Objektivität bleibt dabei ein Anspruch. Schon die Auswahl dessen, was gemessen wird, trifft ein Mensch.

Was subjektiv ist

Subjektiv sind alle Aussagen über das eigene Erleben. Schmerz, Geschmack, Angst und Vorlieben lassen sich von außen nicht direkt messen.

Das macht sie nicht wertlos. In der Medizin ist die Schmerzangabe der Patientin die wichtigste Information, obwohl sie sich nicht objektivieren lässt.

Auch Wertungen sind subjektiv. „Gerecht“, „schön“ und „angemessen“ setzen einen Maßstab voraus, den jemand gewählt hat.

Ein häufiger Fehler ist, subjektiv mit falsch gleichzusetzen. Eine subjektive Aussage kann zutreffend sein, sie gilt nur eben für eine bestimmte Perspektive.

Umgekehrt lässt sich Subjektives objektivieren. Eine Schmerzskala von null bis zehn macht das Empfinden vergleichbar, ohne es zu messen. Dasselbe leisten Fragebögen mit festen Antwortstufen.

Manche Wörter sehen objektiv aus und sind es nicht. „Normal“, „üblich“ und „durchschnittlich“ klingen nach Messung, setzen aber einen Vergleichsmaßstab voraus, den jemand festgelegt hat.

Der Test für den Alltag

Drei Fragen reichen meist aus, um eine Aussage einzuordnen.

Erstens: Lässt sich das messen, zählen oder in einem Dokument nachschlagen? Dann ist es objektiv zugänglich.

Zweitens: Käme jemand anders mit denselben Mitteln zum selben Ergebnis? Wenn ja, spricht das für Objektivität.

Drittens: Ließe sich vor den Satz ein „ich finde“ setzen, ohne dass er komisch klingt? Dann steckt eine Wertung darin.

Nützlich ist der Test beim Lesen von Nachrichten. Zahlen, Zitate und Termine sind prüfbar, Adjektive wie „umstritten“ oder „dramatisch“ sind es nicht.

Objektivität in der Wissenschaft

In der empirischen Forschung ist Objektivität ein festes Gütekriterium. Neben ihr stehen Reliabilität, also Zuverlässigkeit, und Validität, also Gültigkeit.

Die Objektivität wird in drei Stufen geprüft. Durchführungsobjektivität heißt: Das Ergebnis hängt nicht davon ab, wer den Test abnimmt.

Auswertungsobjektivität heißt: Zwei Auswerter kommen zum selben Punktwert. Interpretationsobjektivität heißt: Aus demselben Wert wird dieselbe Schlussfolgerung gezogen.

Praktische Werkzeuge dafür sind standardisierte Anweisungen, Auswertungsschlüssel und feste Normwerte. In klinischen Studien kommt das Doppelblindverfahren dazu, bei dem weder Teilnehmer noch Untersucher die Gruppenzuteilung kennen.

Auch die Veröffentlichung gehört dazu. Erst wenn Daten und Methoden offenliegen, können andere die Ergebnisse nachrechnen.

Unterschied zwischen subjektiv und objektiv im Recht

Das Strafrecht trennt beide Ebenen ausdrücklich. Der objektive Tatbestand beschreibt das äußere Geschehen: Wer hat was getan, mit welchem Erfolg?

Der subjektive Tatbestand fragt nach dem Inneren. Nach § 15 StGB ist nur vorsätzliches Handeln strafbar, soweit das Gesetz nicht ausdrücklich fahrlässiges Handeln unter Strafe stellt.

Beide Ebenen müssen erfüllt sein. Wer eine fremde Sache mitnimmt und sie für die eigene hält, erfüllt den objektiven Tatbestand des Diebstahls, aber nicht den subjektiven.

Im Zivilrecht gibt es eine ähnliche Konstruktion. Willenserklärungen werden nach dem objektiven Empfängerhorizont ausgelegt, also danach, wie ein verständiger Dritter sie verstehen durfte.

Der objektive Empfängerhorizont

Dieser Maßstab entscheidet im Streit über einen Vertrag. Ausgelegt wird nicht, was der Erklärende gemeint hat, und auch nicht, was der Empfänger heraushören wollte. Maßgeblich ist, wie ein verständiger Dritter in der Lage des Empfängers die Erklärung verstehen musste.

Häufige Fragen

Ist subjektiv dasselbe wie falsch?

Nein. Eine subjektive Aussage beschreibt eine Perspektive und kann völlig zutreffend sein.

Gibt es vollständig objektive Berichterstattung?

Als Anspruch ja, als Zustand nicht. Schon die Auswahl der Themen und Zitate ist eine Entscheidung von Menschen.

Was heißt intersubjektiv?

Zwischen mehreren Personen überprüfbar. Der Begriff wird oft anstelle von „objektiv“ genutzt, weil er den Anspruch genauer beschreibt.

Warum heißt die Kameralinse Objektiv?

Weil sie dem Objekt zugewandt ist. Das Gegenstück am Mikroskop, das Okular, ist dem Auge zugewandt.

Unterschied zwischen objektiv und subjektiv in einem Satz?

Objektiv beschreibt die Sache, subjektiv beschreibt den Blick auf die Sache.

Wie schreibe ich objektiver?

Nenne Zahlen, Quellen und Zeitpunkte. Streiche wertende Adjektive, die sich nicht belegen lassen.

Quellen

Geschrieben von Jonas, Redaktion smarterklärt.de — er erklärt hier Begriffe und Zusammenhänge in einfacher Sprache.

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