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Kurzantwort: „Rabe“ und „Krähe“ sind keine biologischen Gruppen. Beide Namen stehen für Arten derselben Gattung Corvus. In Mitteleuropa meint Rabe fast immer den Kolkraben mit 54 bis 67 Zentimetern Länge, Krähe meist die kleinere Rabenkrähe mit 45 bis 47 Zentimetern. Im Flug erkennst du den Kolkraben am keilförmigen Schwanz.
Ein schwarzer Vogel sitzt auf dem Acker. Die meisten Menschen nennen ihn Krähe, manche Rabe.
Die Frage lässt sich beantworten. Ein Merkmal aus der Systematik hilft dabei allerdings nicht weiter.
Weiter kommst du mit vier Dingen: Größe, Schwanzform, Schnabel und Ruf. Hier stehen sie der Reihe nach.
Warum die Trennung keine wissenschaftliche ist
Alle Krähen und Raben Mitteleuropas gehören zur Gattung Corvus. Diese Gattung sitzt in der Familie der Rabenvögel, den Corvidae.
Zu den Rabenvögeln zählen auch Elstern, Eichelhäher, Tannenhäher und Alpendohlen. Sie sind mit Krähen verwandt, gehören aber nicht zur Gattung Corvus.
Innerhalb der Gattung hat sich im Deutschen eine Faustregel eingebürgert: Die größeren Arten heißen Raben, die kleineren Krähen. Eine Regel der Biologie steckt dahinter nicht.
Am deutlichsten zeigt das der Name Rabenkrähe. Der Vogel trägt beide Wörter, weil er tiefschwarz wirkt wie ein Rabe und die Größe einer Krähe hat.
Ähnlich ist es beim Kolkraben. Der erste Wortteil geht auf seinen Ruf zurück, ein tiefes „kolk“ oder „korr“.
Der Kolkrabe: groß, keilförmig, tief
Der Kolkrabe (Corvus corax) misst 54 bis 67 Zentimeter von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende. Seine Flügelspannweite liegt bei 115 bis 130 Zentimetern.
Männchen wiegen im Mittel rund 1.250 Gramm, Weibchen etwa 1.150 Gramm. Damit gilt er als der größte Singvogel der Welt.
Sein Schnabel ist auffällig groß und kräftig. Der First des Oberschnabels biegt sich deutlich nach unten.
Am Hals fallen verlängerte Kehlfedern auf. Sie lassen die Unterseite zottelig wirken, besonders wenn der Vogel ruft.
Das sicherste Merkmal siehst du von unten. Der Schwanz läuft am Ende deutlich keilförmig zu. Der Kolkrabe segelt außerdem viel und dreht sich dabei gern um die Längsachse.
Die Rabenkrähe: kleiner, gerader Schwanz
Die Rabenkrähe (Corvus corone) erreicht 45 bis 47 Zentimeter Länge und 93 bis 104 Zentimeter Spannweite. Sie wiegt zwischen 370 und 740 Gramm.
Ihr Gefieder ist komplett schwarz mit schwachem metallischem Glanz. Der Schnabel wirkt kräftig, jedoch deutlich kleiner als beim Kolkraben.
Der Schwanz ist breit und am Ende leicht gerundet. Diese Form unterscheidet sie im Flug klar vom Kolkraben.
Der häufigste Ruf ist ein raues, kraftvolles „Krah“, oft mehrfach wiederholt. Der Kolkrabe klingt dagegen tiefer und kürzer.
Nebelkrähe: dieselbe Art, andere Farbe
Östlich einer Linie, die in Deutschland etwa der Elbe folgt, lebt die Nebelkrähe (Corvus cornix). Nacken, Rücken und Schulterdecken sind bei ihr aschgrau bis weiß, Kopf, Flügel und Schwanz bleiben schwarz.
Im Grenzbereich beider Formen treten Mischlinge auf. Wer in Berlin oder Hamburg eine grau-schwarze Krähe sieht, hat also keine andere Gattung vor sich.
Saatkrähe und Dohle: die zwei häufigen Verwechslungen
Die Saatkrähe (Corvus frugilegus) ist etwa so groß wie eine Rabenkrähe. Bei erwachsenen Vögeln ist der Schnabelgrund unbefiedert und hell, was wie ein weißlicher Fleck vor dem Auge aussieht.
Jungvögel haben diesen Fleck noch nicht. Sie lassen sich an der schlankeren Schnabelform und am Verhalten erkennen: Saatkrähen brüten in lauten Kolonien.
Die Dohle (Corvus monedula) ist mit rund 34 Zentimetern deutlich kleiner. Nacken und Halsseiten sind grau, die Iris ist hell.
Ihr Ruf ist ein kurzes, helles „kjack“. Dohlen brüten gern in Kirchtürmen, Schornsteinen und Baumhöhlen.
Unterschied zwischen Rabe und Krähe im Alltag
Größenvergleiche helfen mehr als Zentimeterangaben. Ein Kolkrabe wirkt am Himmel etwa so groß wie ein Mäusebussard, eine Rabenkrähe deutlich kleiner.
Auch das Sozialverhalten gibt einen Hinweis. Kolkraben siehst du meist paarweise oder in kleinen Gruppen, Krähen dagegen oft in größeren Schwärmen.
Der Lebensraum unterscheidet sich ebenfalls. Kolkraben brüten in Wäldern, Felswänden und offener Landschaft, Rabenkrähen leben bis mitten in die Stadt.
In Deutschland unterliegt der Kolkrabe dem Jagdrecht, hat aber eine ganzjährige Schonzeit. Er darf also nicht bejagt werden. Nach 1940 hat er große Teile Deutschlands wieder besiedelt.
Woher der schlechte Ruf kommt
In der nordischen Überlieferung sitzen zwei Raben auf den Schultern Odins, Hugin und Munin. Sie stehen dort für Gedanke und Erinnerung.
In Mitteleuropa kippte das Bild später. Weil Rabenvögel auch Aas fressen und sich auf Schlachtfeldern und an Richtstätten einfanden, galten sie als Unglücksboten. Aus dieser Zeit stammt das Wort Galgenvogel.
Auch „Rabenmutter“ und „Rabeneltern“ gehen auf eine alte Beobachtung zurück. Junge Rabenvögel verlassen das Nest, bevor sie richtig fliegen können, und sitzen dann am Boden. Das wirkte auf Beobachter wie Vernachlässigung.
Gefüttert werden diese Jungvögel weiter. Wer im Frühjahr eine hockende Jungkrähe findet, sollte sie deshalb sitzen lassen, die Eltern sind meist in der Nähe.
Häufige Fragen
Ist ein Rabe einfach eine große Krähe?
Im Sprachgebrauch läuft es darauf hinaus. Beide gehören zur Gattung Corvus, „Rabe“ bezeichnet dort die größeren Arten.
Was ist ein Rabenvogel?
Ein Mitglied der Familie Corvidae. Dazu zählen neben Krähen und Raben auch Elstern, Eichelhäher und Tannenhäher.
Wie unterscheide ich Rabe und Krähe im Flug?
Am Schwanz. Beim Kolkraben läuft er keilförmig zu, bei der Krähe ist er breit und leicht gerundet.
Sind Kolkraben in Deutschland selten?
Nicht mehr. Nach starker Verfolgung war der Bestand fast erloschen, seit den 1940er Jahren breitet sich die Art wieder aus.
Warum sieht man in Ostdeutschland graue Krähen?
Das sind Nebelkrähen. Ihre Verbreitungsgrenze zur schwarzen Rabenkrähe verläuft in Deutschland ungefähr entlang der Elbe.
Wie klug sind Rabenvögel?
Sie gehören zu den am besten untersuchten Vogelgruppen der Verhaltensforschung. Belegt sind unter anderem Vorratshaltung, das Merken von Verstecken und das Lösen mehrstufiger Aufgaben.
Quellen
- Wikipedia: Kolkrabe (Corvus corax)
- Wikipedia: Aaskrähe – Rabenkrähe und Nebelkrähe
- Wikipedia: Rabenvögel (Corvidae)
Geschrieben von Jonas, Redaktion smarterklärt.de — er erklärt hier Begriffe und Zusammenhänge in einfacher Sprache.






