Unterschied zwischen Prosecco und Sekt einfach erklärt

Kurzantwort: Die Begriffe liegen auf verschiedenen Ebenen. „Sekt“ ist die deutsche Bezeichnung für Qualitätsschaumwein und sagt etwas über die Machart. „Prosecco“ ist seit 2010 eine geschützte Ursprungsbezeichnung aus Norditalien und sagt etwas über die Herkunft. Ein Prosecco Spumante ist ein Schaumwein, ein Prosecco Frizzante nur ein Perlwein mit weniger Kohlensäure.

Im Regal stehen beide Flaschen nebeneinander, oft im selben Preisbereich. Der Korken sieht ähnlich aus.

Trotzdem vergleicht man hier nicht zwei gleichartige Dinge. Das eine Wort beschreibt ein Verfahren, das andere eine Region.

Hier stehen die Regeln für beide: Druck, Alkohol, Herstellung, Herkunft und der Grund, warum Frizzante billiger ist.

Sekt ist eine Qualitätsstufe

„Sekt“ ist in Deutschland und Österreich die übliche Bezeichnung für Qualitätsschaumwein. Der Name geht auf das lateinische Wort siccus für trocken zurück.

Das EU-Recht setzt dafür Mindestwerte. Der Kohlensäureüberdruck muss bei 20 Grad Celsius mindestens 3,5 bar betragen.

Der vorhandene Alkoholgehalt liegt bei mindestens 10 Volumenprozent, der Grundwein muss mindestens 9 Volumenprozent mitbringen.

Die Kohlensäure muss aus der Gärung stammen. Einfach Gas zusetzen ist bei Sekt nicht erlaubt.

Drei Verfahren sind zugelassen. Die traditionelle Flaschengärung dauert mindestens neun Monate, die Tankgärung mindestens sechs Monate, dazwischen liegt das Transvasierverfahren.

Herkunft steckt im Wort Sekt nicht. Nur die Bezeichnung „Deutscher Sekt“ garantiert, dass die Trauben aus Deutschland stammen.

Prosecco ist eine Herkunft

Bis Ende 2009 war Prosecco der Name einer Rebsorte. Seit dem 1. Januar 2010 heißt diese Sorte Glera, und Prosecco ist als geschützte Ursprungsbezeichnung im EU-Register eingetragen.

Der Grund war Nachahmung. Solange Prosecco eine Rebsorte war, konnte sie überall angebaut und der Wein entsprechend benannt werden.

Das Anbaugebiet umfasst fünf Provinzen Venetiens sowie die gesamte Region Friaul-Julisch Venetien. Belluno, Padua, Treviso, Venedig und Vicenza gehören dazu.

Über der einfachen Stufe DOC stehen zwei DOCG-Gebiete. Sie heißen Conegliano Valdobbiadene Prosecco Superiore und Asolo Prosecco.

Prosecco wird meist im Tank vergoren. Das erhält die frische Fruchtnote der Glera-Traube und erzeugt weniger von den hefigen Aromen der Flaschengärung.

Spumante, Frizzante, Tranquillo

Prosecco gibt es in drei Ausbauformen. Der Unterschied liegt in der Kohlensäure.

Spumante ist der Schaumwein mit hohem Druck. Er trägt einen Sektkorken mit Drahtbügel und hat mindestens 11,0 Volumenprozent Alkohol.

Frizzante ist ein Perlwein mit deutlich weniger Druck. Der Überdruck bleibt unter 2,5 bar, verschlossen wird meist mit einfachem Korken oder Kronkorken. Der Mindestalkohol liegt bei 10,5 Volumenprozent.

Tranquillo oder Fermo ist ein Stillwein ganz ohne Perlage. Er kommt selten nach Deutschland.

Wer also Prosecco und Sekt vergleichen will, muss den Spumante nehmen. Nur er ist rechtlich ein Schaumwein.

Warum Frizzante günstiger ist

Der Preisunterschied hat einen steuerlichen Grund. In Deutschland gibt es die Schaumweinsteuer, eingeführt im Jahr 1902 zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegsflotte.

Die Flotte gibt es längst nicht mehr, die Steuer schon. Sie beträgt umgerechnet 1,02 Euro je 0,75-Liter-Flasche, dazu kommt die Mehrwertsteuer.

Perlwein fällt nicht darunter. Ein Frizzante ist deshalb allein durch die Steuer rund einen Euro günstiger als ein vergleichbarer Schaumwein.

Auch die Herstellung ist billiger. Weniger Druck bedeutet weniger Aufwand bei Flasche, Verschluss und Abfüllung.

Zwei Zahlen erklären den Rest. Bei der Tankgärung entsteht die Kohlensäure in einem Drucktank aus mehreren tausend Litern, bei der Flaschengärung in jeder einzelnen Flasche.

Die Flaschengärung ist aufwendiger, weil jede Flasche einzeln gerüttelt und enthefet werden muss. Das schlägt sich im Preis nieder.

Die Süßegrade auf dem Etikett

Die Angaben zur Restsüße sind EU-weit festgelegt und gelten für Sekt und Prosecco gleichermaßen.

„Brut nature“ oder „zero dosage“ steht für weniger als 3 Gramm Zucker je Liter. „Extra brut“ liegt zwischen 0 und 6 Gramm.

„Brut“ ist die häufigste Stufe und bedeutet weniger als 12 Gramm je Liter. „Extra trocken“ folgt mit 12 bis 17 Gramm.

„Trocken“ oder „sec“ klingt herber, als es ist: 17 bis 32 Gramm Zucker je Liter. Halbtrocken reicht bis 50 Gramm.

Wer wenig Restzucker möchte, greift also zu Brut. Der italienische Ausdruck dafür ist ebenfalls Brut.

Unterschied zwischen Sekt und Prosecco beim Trinken

Beide schmecken kühl am besten, etwa bei 6 bis 8 Grad Celsius. Zu kalt betäubt das Aroma.

Prosecco ist meist fruchtiger und leichter, mit Noten von Apfel und Birne. Flaschenvergorener Sekt bringt mehr Struktur und Hefearomen mit.

Der Begriff Winzersekt sagt mehr aus als das Wort Sekt allein. Die Trauben müssen aus dem eigenen Betrieb stammen und der Sekt in der Flasche vergoren sein.

Champagner ist wieder eine eigene Sache. Der Name ist an die französische Region Champagne gebunden und verlangt die traditionelle Flaschengärung.

Cava kommt aus Spanien und wird ebenfalls in der Flasche vergoren. Crémant ist die französische Bezeichnung für Flaschengärung außerhalb der Champagne.

Zum Öffnen gilt bei allen dasselbe: Flasche schräg halten, den Korken festhalten und die Flasche drehen. So bleibt der Druck kontrolliert und der Schaum in der Flasche.

Häufige Fragen

Ist Prosecco ein Sekt?

Ein Prosecco Spumante ist ein Schaumwein und damit vergleichbar. „Sekt“ ist die deutsche Bezeichnung, für italienische Ware ist sie unüblich.

Warum hat Prosecco oft weniger Bläschen?

Weil viele Flaschen Frizzante enthalten. Perlwein hat weniger Kohlensäureüberdruck als Schaumwein.

Woran erkenne ich Frizzante?

Am Verschluss und am Etikett. Frizzante trägt oft einen Kronkorken oder einen Korken ohne Drahtbügel.

Was bedeutet Glera?

Der heutige Name der Rebsorte, die früher Prosecco hieß. Sie ist die Basis fast jedes Prosecco.

Ist teurer Sekt automatisch flaschenvergoren?

Nicht zwingend. Suche auf dem Etikett nach „traditionelle Flaschengärung“ oder „klassische Flaschengärung“.

Wie lange hält eine offene Flasche?

Mit Sektverschluss im Kühlschrank ein bis zwei Tage. Danach ist der Großteil der Kohlensäure entwichen.

Quellen

Geschrieben von Jonas, Redaktion smarterklärt.de — er erklärt hier Begriffe und Zusammenhänge in einfacher Sprache.

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