Retroperspektive Bedeutung: Richtig heißt es Retrospektive

Veröffentlicht am 26.09.2026 · Lesezeit 4 Min.

Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten

„Retroperspektive“ ist in aller Regel ein Fehler. Gemeint ist fast immer „Retrospektive“. Es bedeutet Rückblick oder Rückschau, also den Blick in die Vergangenheit. Außerdem bezeichnet eine Retrospektive eine Ausstellung oder Filmreihe, die das frühere Werk einer Künstlerin oder eines Künstlers zeigt. In agilen Teams ist die Retrospektive ein regelmäßiges Treffen, um die eigene Arbeit zu verbessern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Richtig: Retrospektive. Falsch: Retroperspektive.
  • Bedeutung: Rückblick, Rückschau.
  • Zweite Bedeutung: Werkschau in Museum oder Kino.
  • In Scrum: letztes Event eines Sprints.

Retroperspektive oder Retrospektive?

Der Duden kennt die Form „Retroperspektive“ nicht und verzeichnet nur „Retrospektive“. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) führt „Retroperspektive“ lediglich als automatisch erzeugten Eintrag ohne Bedeutungsangabe. Die wenigen Belege stammen aus einem Artikel der Zeit von 1997, in dem das Wort als eigens geprägter Begriff aus der Kunstwelt in Anführungszeichen steht. Im normalen Sprachgebrauch ist „Retroperspektive“ ein verbreiteter Fehler. Er entsteht durch eine Vermischung mit dem bekannten Wort „Perspektive“. Beide Wörter enthalten den Wortteil „spekt“ und haben mit Sehen zu tun. Deshalb schiebt man leicht ein „per“ ein, das dort nicht hingehört.

Kurzantwort: „Retroperspektive“ ist ein häufiger Schreibfehler. Gemeint ist „Retrospektive“, der Rückblick.

Eine einfache Merkhilfe: Die Retrospektive schaut zurück, „retro“. Die Perspektive schaut durch etwas hindurch, „per“. Zurück und hindurch zugleich geht nicht. Ähnliche Verwechslungen bei Fremdwörtern erklärt der Beitrag Interpretieren: Bedeutung.

Was bedeutet Retrospektive?

Der Duden nennt zwei Bedeutungen. Das Wort gilt als bildungssprachlich.

Bedeutung Erklärung Beispiel
Rückblick Blick in die Vergangenheit, Rückschau In der Retrospektive wirkt die Entscheidung klug.
Werkschau Ausstellung oder Filmreihe mit früheren Werken einer Person oder Epoche Das Museum zeigt eine Retrospektive der Malerin.

Die feste Wendung „in der Retrospektive“ bedeutet „im Rückblick“ oder „rückblickend“. Das DWDS nennt als Beispiel einen Dichter, dem ein Lebensabschnitt in der Retrospektive in einem anderen Licht erscheint. Als Synonyme führen die Wörterbücher Rückblick, Rückschau und Erinnerung auf.

Herkunft des Wortes

Retrospektive geht laut DWDS auf das lateinische Verb „retrospicere“ zurück. Es setzt sich aus „retro“ für „zurück“ und „specere“ für „schauen“ zusammen. Wörtlich bedeutet es „zurückschauen“. Aus derselben Wortfamilie stammen viele deutsche Fremdwörter:

  • Perspektive: Durchblick, Blickwinkel
  • Prospekt: ursprünglich Aussicht, heute Werbeheft
  • Inspektion: Besichtigung, Prüfung
  • Spektakel: Schauspiel, Aufsehen
  • retrospektiv: rückblickend, das Adjektiv zur Retrospektive

Das kurze „Retro“ ist heute ein eigenes Wort. Es beschreibt Mode, Design oder Musik im Stil vergangener Jahrzehnte. Ein Retro-Sofa sieht aus wie aus den 1970er-Jahren, ist aber neu gebaut. Mit der Retrospektive teilt es nur die Blickrichtung zurück. Eine „Retro-Party“ ist entsprechend ein Fest mit Musik und Kleidung von früher.

Retrospektive in Kunst und Film

Im Kulturbetrieb ist die Retrospektive ein fester Begriff. Museen zeigen Retrospektiven, wenn sie das Gesamtwerk oder einen großen Teil des Werks einer Person zusammenstellen. Filmfestivals widmen einzelnen Regisseurinnen oder Epochen eigene Reihen. Im Unterschied zu einer Einzelausstellung neuer Arbeiten blickt eine Retrospektive bewusst auf das zurück, was schon entstanden ist.

Die Retrospektive in agilen Teams

In der Arbeitswelt hat das Wort eine dritte, sehr praktische Bedeutung bekommen. In agilen Methoden wie Scrum ist die Retrospektive ein festes Treffen. Laut dem offiziellen Scrum Guide überprüft das Team dabei den vergangenen Sprint und sucht nach Verbesserungen. Die Sprint-Retrospektive ist das letzte Event im Sprint. Bei einem Sprint von einem Monat dauert sie höchstens drei Stunden.

Ein typischer Ablauf sieht so aus:

  • Rahmen setzen: Ziel und Zeit klären, Stimmung abfragen.
  • Daten sammeln: Was lief gut, was lief schlecht?
  • Ursachen verstehen: Warum kam es zu den Problemen?
  • Maßnahmen beschließen: Konkrete Verbesserungen für den nächsten Sprint festlegen.
  • Abschließen: Kurzes Feedback zum Treffen selbst.

Im Büroalltag wird die Retrospektive oft zu „Retro“ abgekürzt. Wer von „der Retro am Freitag“ spricht, meint dieses Teamtreffen. Wie Teams zwischen Anlass und Ursache eines Problems trennen, zeigt der Beitrag Unterschied zwischen Ursache und Anlass.

Kurzantwort: Eine Retrospektive im Team ist ein regelmäßiges Treffen, bei dem das Team auf die letzte Arbeitsphase zurückblickt und Verbesserungen beschließt.

Retrospektiv in Medizin und Wissenschaft

Auch das Adjektiv „retrospektiv“ begegnet häufig, vor allem in der Forschung. Eine retrospektive Studie wertet Daten aus, die bereits vorliegen, zum Beispiel Krankenakten oder alte Messreihen. Die Forschenden schauen also zurück. Das Gegenstück ist die prospektive Studie. Sie begleitet Teilnehmende ab einem Startpunkt in die Zukunft und erhebt die Daten neu.

Begriff Blickrichtung Beispiel
retrospektiv zurück Auswertung von Patientenakten aus zehn Jahren
prospektiv nach vorn Beobachtung neuer Teilnehmender über fünf Jahre

Auch hier hilft die Wortbildung beim Merken. „Retro“ heißt zurück, „pro“ heißt nach vorn.

Beispielsätze mit Retrospektive

  • In der Retrospektive war der Umzug die beste Entscheidung.
  • Das Kino zeigt im Winter eine Retrospektive des Regisseurs.
  • Nach jedem Sprint hält das Team eine Retrospektive ab.
  • Retrospektiv betrachtet kam die Krise nicht überraschend.

Fazit

„Retroperspektive“ ist ein verbreiteter Fehler. Das richtige Wort heißt Retrospektive und bedeutet Rückblick oder Rückschau. Es stammt vom lateinischen „retrospicere“, zurückschauen. Im Kulturbetrieb steht es für eine Werkschau, in agilen Teams für ein regelmäßiges Treffen zur Verbesserung der Zusammenarbeit. Wer an „retro“ für zurück denkt und das „per“ weglässt, schreibt das Wort richtig.

FAQ – Häufige Fragen

Gibt es das Wort Retroperspektive?

Der Duden kennt es nicht. Im Alltag ist es ein Fehler für Retrospektive.

Was bedeutet Retrospektive?

Rückblick, Rückschau oder eine Werkschau früherer Arbeiten.

Was heißt „in der Retrospektive“?

Im Rückblick oder rückblickend betrachtet.

Woher kommt das Wort Retrospektive?

Vom lateinischen „retrospicere“, zurückschauen.

Welches Genus hat Retrospektive?

Es ist weiblich: die Retrospektive.

Was ist eine Retrospektive im Museum?

Eine Ausstellung, die das frühere Werk einer Person oder Epoche zeigt.

Was ist eine Sprint-Retrospektive?

Das letzte Event im Scrum-Sprint, in dem das Team seine Arbeit überprüft und Verbesserungen plant.

Wie lange dauert eine Sprint-Retrospektive?

Bei einem einmonatigen Sprint höchstens drei Stunden.

Was ist das Adjektiv zu Retrospektive?

Retrospektiv, also rückblickend.

Warum schreiben viele Retroperspektive?

Weil sie das Wort mit „Perspektive“ vermischen.

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Quellen

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