Unterschied zwischen Arterien und Venen einfach erklärt

Aktualisiert am 17.10.2026 · Lesezeit 5 Min.

Kurzantwort: Der Unterschied liegt in der Richtung. Arterien führen Blut vom Herzen weg, Venen führen es zum Herzen zurück. Die verbreitete Merkregel „Arterien sauerstoffreich, Venen sauerstoffarm“ stimmt nicht: Die Lungenarterien transportieren sauerstoffarmes Blut zur Lunge, die Lungenvenen sauerstoffreiches Blut zurück zum Herzen.

Im Biologieunterricht wird gern mit Farben gearbeitet. Arterien rot, Venen blau.

Das funktioniert für den großen Kreislauf und fällt im kleinen Kreislauf sofort auseinander.

Hier steht, was Arterien und Venen wirklich trennt: Richtung, Wandaufbau, Druck und Klappen.

Die Richtung entscheidet, nicht die Farbe

Ein Gefäß heißt Arterie, wenn das Blut darin vom Herzen wegfließt. Es heißt Vene, wenn das Blut zum Herzen hinfließt. Mehr steckt in der Definition nicht.

Im Körperkreislauf passt die Farbregel: Die Aorta und ihre Äste bringen sauerstoffreiches Blut in die Organe, die Körpervenen bringen sauerstoffarmes Blut zurück.

Im Lungenkreislauf dreht sich das um. Die rechte Herzkammer pumpt sauerstoffarmes Blut über die Lungenarterien in die Lunge. Von dort läuft sauerstoffreiches Blut über die Lungenvenen in den linken Vorhof.

Auch die Nabelgefäße beim Ungeborenen brechen die Regel. Die Nabelvene führt sauerstoffreiches Blut zum Kind, die Nabelarterien führen sauerstoffarmes Blut zurück zum Mutterkuchen.

Der Wandaufbau: drei Schichten, unterschiedlich stark

Arterien und Venen haben denselben Grundbauplan. Innen liegt eine glatte Zellschicht, darüber eine Schicht aus glatter Muskulatur und elastischen Fasern, außen Bindegewebe.

Die mittlere Schicht macht den Unterschied. Bei Arterien ist sie dick und muskelstark, weil sie den Druckstoß des Herzens abfangen und weiterleiten muss. Bei Venen ist sie deutlich dünner.

Dafür sind Venen dehnbarer. Sie geben nach, wenn mehr Blut hineinläuft, und wirken so als Speicher. Der größte Teil des Blutvolumens steckt zu jedem Zeitpunkt im Venensystem.

Zwischen beiden Systemen liegen die Kapillaren. Ihre Wand besteht nur aus einer einzigen Zellschicht — dünn genug, damit Sauerstoff, Nährstoffe und Abfallstoffe hindurchtreten können.

Die Zwischenstufen heißen Arteriolen und Venolen

Aus den großen Arterien werden nach und nach kleinere Äste, zuletzt die Arteriolen. Sie sind der Regler des Systems: Wenn ihre Muskelschicht sich zusammenzieht, steigt der Widerstand und damit der Blutdruck.

Auf der Rückseite sammeln Venolen das Blut aus den Kapillaren und führen es in immer größere Venen zusammen. Am Ende steht die obere und untere Hohlvene, die in den rechten Vorhof mündet.

Ein Sonderfall ist die Pfortader. Sie führt nährstoffreiches Blut aus dem Darm zur Leber und endet dort wieder in einem Kapillarnetz, statt direkt zum Herzen zu laufen.

Venenklappen und die Muskelpumpe

Venen haben ein Problem, das Arterien nicht haben: Aus dem Bein muss das Blut nach oben, gegen die Schwerkraft, und der Druck reicht dafür allein nicht aus.

Die Lösung sind Venenklappen. Sie sitzen in kleinen und mittleren Venen, öffnen sich in Richtung Herz und schließen, wenn Blut zurücksacken will. Arterien haben so etwas nicht.

Angetrieben wird der Rückfluss von den Muskeln. Jedes Mal, wenn die Wadenmuskulatur beim Gehen anspannt, drückt sie die tiefen Venen zusammen und schiebt Blut nach oben.

Deshalb schwellen Beine bei langem Stehen oder Sitzen an. Die Pumpe steht still.

Druck: warum Arterien pulsieren und Venen nicht

In den herznahen Arterien ist der Druck am höchsten, und er schwankt mit jedem Herzschlag. Genau das tastest du am Handgelenk oder am Hals als Puls.

Auf dem Weg durch immer feinere Gefäße fällt der Druck ab. In den Kapillaren ist der Pulsstoß praktisch verschwunden, im Venensystem ist der Druck niedrig und gleichmäßig.

Der gemessene Blutdruck bezieht sich immer auf eine Arterie. Von Bluthochdruck spricht man in der Praxismessung ab Werten von 140 zu 90 Millimeter Quecksilbersäule.

Der niedrige Venendruck hat einen praktischen Vorteil: Blut wird aus einer Vene in der Ellenbeuge abgenommen, weil sie oberflächlich liegt und die Einstichstelle danach schnell abdichtet.

Unterschied zwischen Venen und Arterien im Krankheitsfall

Die typischen Gefäßkrankheiten treffen jeweils nur eine Seite. Arteriosklerose ist ein Arterienproblem: In der Gefäßwand lagern sich Fette und Kalk ab, das Gefäß verengt sich, dahinterliegendes Gewebe bekommt zu wenig Sauerstoff.

Am Herzen führt das zum Herzinfarkt, im Gehirn zum Schlaganfall, in den Beinen zur Schaufensterkrankheit.

Krampfadern und Thrombosen sind dagegen Venenprobleme. Bei Krampfadern schließen die Venenklappen nicht mehr richtig, das Blut versackt, die Vene weitet sich sichtbar.

Eine tiefe Beinvenenthrombose ist ein Gerinnsel in einer tiefen Vene. Löst es sich, kann es über das Herz in die Lunge geraten — die Lungenembolie.

Auch bei Verletzungen zeigt sich der Druckunterschied. Aus einer Vene läuft Blut gleichmäßig und dunkel, aus einer Arterie spritzt es hellrot im Takt des Herzschlags. Der zweite Fall ist der Notfall.

Arterien liegen deshalb meist geschützt in der Tiefe, dicht an Knochen und zwischen Muskeln. Venen verlaufen zusätzlich in einem oberflächlichen Netz direkt unter der Haut.

Häufige Fragen

Ist in Arterien immer sauerstoffreiches Blut?

Nein. Die Lungenarterien führen sauerstoffarmes Blut. Das Kriterium ist die Fließrichtung, nicht der Sauerstoffgehalt.

Warum sehen Venen unter der Haut blau aus?

Das Blut darin ist dunkelrot. Blau wirken die Gefäße durch die Art, wie Haut und Gewebe das Licht streuen.

Wo kann man den Puls tasten?

Überall dort, wo eine Arterie dicht unter der Haut über einem Knochen liegt — am Handgelenk, am Hals, in der Leiste, am Fußrücken.

Warum wird Blut aus Venen abgenommen?

Venen liegen oberflächlich und stehen unter niedrigem Druck. Ein Einstich in eine Arterie würde stärker bluten und ist nur für bestimmte Untersuchungen nötig.

Was sind Kapillaren?

Die feinsten Gefäße zwischen Arterien und Venen. Ihre Wand ist nur eine Zellschicht dick, damit der Stoffaustausch mit dem Gewebe möglich ist.

Haben Arterien auch Klappen?

Innerhalb der Arterien nicht. Klappen sitzen am Ausgang der Herzkammern und verhindern, dass Blut ins Herz zurückläuft.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Von Ariane Pohl, Redaktion smarterklärt.de. Jede Erklaerung wird an Beispielen geprueft.


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